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Unbeschränkte Gesellschafterhaftung und Gläubigerschutz

Eine ökonomische Betrachtung des Haftungssystems der Personengesellschaften

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Lisa Pfaffinger

Das Haftungssystem der Personengesellschaften gehört zu den umstrittensten Fragen des deutschen Gesellschaftsrechts. Unter zentraler Berücksichtigung ökonomischer Erkenntnisse geht die Autorin im Rahmen einer tiefgreifenden und detaillierten Analyse und Bewertung des Haftungssystems der Personengesellschaften der Frage nach, ob die unbeschränkte, persönliche Haftung der Gesellschafter ein allgemeingültiges Modell für alle Personengesellschaften darstellt, um opportunistisches Verhalten von Gesellschaftern zu Lasten von Gesellschaftsgläubigern zu verhindern. Die Untersuchung umfasst die Fragen, wie sich gesetzliche und privatautonome Haftungsbeschränkungsmöglichkeiten zu einem derartigen Modell verhalten und welche Auswirkungen eine ökonomische Betrachtung der Haftung auf das Innenverhältnis der Gesellschafter hat.

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Kapitel 2: Verselbständigung des Gesellschaftsvermögens und

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15 Kapitel 2: Verselbständigung des Gesellschaftsvermögens und persönliche Haftung der Gesellschafter § 1 Die Verselbständigung und Abschirmung des Gesellschaftsvermögens bei Personengesellschaften A. Die originäre Funktion des Gesellschaftsrechts als Organisationsrecht Das BGB verortet die BGB-Gesellschaft im Recht der besonderen Schuldverträge. Dies ist insofern plausibel, als die Beziehungen der Mitglieder einer Gesellschaft, sei es einer Personengesellschaft, sei es einer Kapitalgesellschaft im Grunde vertrag- licher Natur sind.84 Die Gesellschafter verbinden sich aufgrund des Gesellschafts- vertrags zur Erreichung eines gemeinsamen Zwecks zu der Gesellschaft.85 Der Gesellschaftsvertrag ist die zentrale Entstehungsvoraussetzung einer jeden Gesell- schaft und stellt die grundlegenden Regeln für die Beziehungen der Gesellschafter untereinander auf. Da es grundsätzlich möglich erscheint, dass die Gesellschafter ihre Beziehungen untereinander ausschließlich durch diesen Vertrag regeln und die gesetzlichen Regeln des allgemeinen Vertragsrechts die Formierung und Durchset- zung dieses Vertrags, wie jedes anderen Vertrages, erfassen, so bedarf es einer Er- klärung, warum eben jene vertraglichen Beziehungen durch das Gesellschaftsrecht gesondert und besonders geregelt werden. I. Das Gesellschaftsrecht als effiziente, vertragliche Standardregelung der Beziehungen der Gesellschafter In der amerikanischen Rechtswissenschaft hat sich im Rahmen einer Grundsatzde- batte um die Rolle des Gesellschaftsrechts unter den sog. contractarians 86 die Ansicht herausgebildet, die auf Basis des Verständnisses der (Kapital-)Gesellschaften als 84 K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, S. 167: „Es gibt keinen Verband und keine Gesellschaft ohne die Begründung von Schuldverhältnissen.“ Dazu auch Hey, Freie Gestaltung in Gesellschaftsverträgen, S. 17 ff. Hinzu kommt, dass sich das Personengesellschafts- recht...

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