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Geschlechtergerechtigkeit unter dem Deckmantel der Leitbildneutralität

Trennungs- und Scheidungsfolgen im Spiegel der Ehe- und Familienförderung

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Hüsniye Saygin

Obwohl das Leitbild der Hausfrauenehe 1977 abgeschafft wurde, wird es noch immer gefördert. Das Buch beschäftigt sich mit der Geschlechterungerechtigkeit, die der vermeintlich freien, jedoch vor dem Recht nicht gleichbehandelten Wahl des Lebensmodells zugrunde liegt. Gerade nach einer Scheidung kann das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau gravierende Folgen haben. Schließlich verweist das Unterhaltsrecht die Ehegatten inzwischen auf ihre Eigenverantwortung, orientiert sich also an dem Modell der Zweiverdiener-Ehe. Welches Leitbild soll man leben, um keine Nachteile zu erleiden? Das deutsche Recht gibt darauf keine Antwort. Ausgehend von dieser Problematik beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, wie der paradoxen Förderung begegnet werden kann, auch um einen Gleichlauf mit dem Scheidungsfolgenrecht zu erzielen.

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H. Gleichstellung in Schweden

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Kernstück der schwedischen Gleichstellungspolitik ist es, jeden Einzelnen dazu zu befähigen, durch eine eigene Erwerbstätigkeit finanziell unabhängig zu sein. Die Frauenerwerbstätigenquote fällt dort im europäischen Vergleich entsprechend hoch aus. Jeder soll sich im Rahmen seiner Fähigkeiten entwickeln und vollumfänglich am öffentlichen Leben teilhaben können, unabhängig von Geschlecht und Part- nerschaftsstatus. Es existieren umfassende familienpolitische Maßnahmen, die die Gleichstellung von Mann und Frau und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten sollen. Ungeachtet ihrer Position auf dem Arbeitsmarkt haben alle schwedischen Bürgerinnen und Bürger zudem einen Anspruch auf ein Mindestmaß sozialer Sicherung, die vor allem durch Steuern finanziert wird.422 I. Historischer Überblick Bis in die 1920er Jahre ähnelte die schwedische Sozialpolitik noch der deutschen, anfangs jedoch deutlich zurückhaltender in Bezug auf obligatorische Versiche- rungen. Die eklatanten Unterschiede zwischen den beiden Staaten entwickelten sich überwiegend erst seit dem Zweiten Weltkrieg. In den ersten zwei Nachkriegs- jahrzehnten herrschte in beiden Ländern noch die Intention, Männer durch einen entsprechenden Lohn und mithilfe von Sozialleistungen in die Lage zu versetzen, ihre Frauen und Kinder zu unterhalten, während die Frauen sich den unbezahlten Pflege- und Betreuungs- und Haushaltsaufgaben widmen sollten.423 Obwohl in bei- den Ländern ein Mangel an Arbeitskräften herrschte, entwickelten sie sich trotz ihrer ähnlichen Ausgangsposition in vollkommen unterschiedliche Richtungen. Während sich Deutschland damit behalf, Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwer- ben, griff die schwedische Regierung auf ihre weiblichen Ressourcen im Inland zur...

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