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Geschlechtergerechtigkeit unter dem Deckmantel der Leitbildneutralität

Trennungs- und Scheidungsfolgen im Spiegel der Ehe- und Familienförderung

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Hüsniye Saygin

Obwohl das Leitbild der Hausfrauenehe 1977 abgeschafft wurde, wird es noch immer gefördert. Das Buch beschäftigt sich mit der Geschlechterungerechtigkeit, die der vermeintlich freien, jedoch vor dem Recht nicht gleichbehandelten Wahl des Lebensmodells zugrunde liegt. Gerade nach einer Scheidung kann das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau gravierende Folgen haben. Schließlich verweist das Unterhaltsrecht die Ehegatten inzwischen auf ihre Eigenverantwortung, orientiert sich also an dem Modell der Zweiverdiener-Ehe. Welches Leitbild soll man leben, um keine Nachteile zu erleiden? Das deutsche Recht gibt darauf keine Antwort. Ausgehend von dieser Problematik beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, wie der paradoxen Förderung begegnet werden kann, auch um einen Gleichlauf mit dem Scheidungsfolgenrecht zu erzielen.

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I. Gleichstellung in Frankreich

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Auf den ersten Blick differiert der französische Wohlfahrtstaat in wirtschaftlicher, politischer und institutioneller Hinsicht kaum von dem deutschen. Ebenso wie Deutschland wird Frankreich dem konservativen Wohlfahrtstaatenmodell zugeord- net. Das französische Modell birgt jedoch eine Reihe von Besonderheiten.480 Die Ver- einbarkeit von Familie und Vollzeitbeschäftigung gelingt den Französinnen besser. Die Frauenerwerbstätigenquote ist mit 66,2 Prozent niedriger als die deutsche.481 In Vollzeitäquivalenten hat Frankreich mit 58,5 Prozent jedoch die Nase vorn.482 Auch im Bereich von Gehalt und Karriere ist Frankreich im Vorteil. Der Gender Pay Gap ist mit 15,3 Prozent deutlich niedriger als der deutsche, und auch in Führungsposi- tionen sind Frauen häufiger vertreten.483 Zudem wurde eine Frauenquote für Füh- rungskräfte in französischen Unternehmen eingeführt. Die regierungsbeauftragte Frauenexpertin spricht von einer „Revolution“.484 Französischen Müttern wird ein größerer Gestaltungsspielraum bei der Verein- barkeit von Familie und Beruf zugestanden, während die deutschen Mütter sich gezwungenermaßen zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen. Nicht nur familienpolitische Maßnahmen, sondern auch Vorschriften in anderen Politikberei- chen tragen dazu bei, dass auf die Belange von Frauen und Familien größere Rück- sicht genommen wird. Die Gleichstellung der Geschlechter sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden als eng miteinander verzahnte Bereiche verstanden. Zudem sieht der französische Staat die Geschlechtergleichstellung als Querschnitts- thema an, das sich durch alle Politikbereiche zieht. Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auf ein Zusammenwirken verschiedener institutioneller...

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