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Geschlechtergerechtigkeit unter dem Deckmantel der Leitbildneutralität

Trennungs- und Scheidungsfolgen im Spiegel der Ehe- und Familienförderung

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Hüsniye Saygin

Obwohl das Leitbild der Hausfrauenehe 1977 abgeschafft wurde, wird es noch immer gefördert. Das Buch beschäftigt sich mit der Geschlechterungerechtigkeit, die der vermeintlich freien, jedoch vor dem Recht nicht gleichbehandelten Wahl des Lebensmodells zugrunde liegt. Gerade nach einer Scheidung kann das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau gravierende Folgen haben. Schließlich verweist das Unterhaltsrecht die Ehegatten inzwischen auf ihre Eigenverantwortung, orientiert sich also an dem Modell der Zweiverdiener-Ehe. Welches Leitbild soll man leben, um keine Nachteile zu erleiden? Das deutsche Recht gibt darauf keine Antwort. Ausgehend von dieser Problematik beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, wie der paradoxen Förderung begegnet werden kann, auch um einen Gleichlauf mit dem Scheidungsfolgenrecht zu erzielen.

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L. Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt

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Die vorstehenden Untersuchungen verdeutlichen, dass insbesondere (familiär be- dingte) Berufsunterbrechungen/-einschränkungen ein Hindernis für die eigene Existenzsicherung der Ehefrauen darstellen. Will man den Arbeitsmarkt durch den Abbau der bestehenden Anreize für die Führung einer Hausfrauenehe attraktiver machen, ist gleichzeitig die „Arbeitsfähigkeit“ der Ehefrauen zu verbessern. Hier- für ist eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf unerlässlich. Gerade die mangelnde Vereinbarkeit drängt Mütter regelmäßig dazu, sich zwischen Familie und Beruf zu entscheiden. Die Entscheidung für Familie geht dabei zwangsläufig mit beruflichen Nachteilen einher. Diejenigen, die beruflich nicht gebremst werden wollen, entscheiden sich im Zweifel gegen Kinder. Der Vergleich mit Schweden und Frankreich zeigt, dass das nicht zwangsläufig so sein muss. I. Umstrukturierung des Normalarbeitsverhältnisses? Trotz der immer weiter steigenden weiblichen Erwerbsquote können insbesondere Mütter den Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes nur schwer gerecht wer- den. Grund hierfür ist, dass die weibliche Erwerbsbiographie nicht dem herrschen- den Leitbild auf dem Arbeitsmarkt entspricht: Als „Normalarbeitsverhältnis“ gilt in vielen Bereichen noch eine abhängige Beschäftigung in Vollzeit, die typischerweise von einem Mann ausgeübt wird. Die Wochenarbeitsstunden sind dabei so großzügig bemessen, dass das Arbeitsverhältnis den Lebensmittelpunkt bildet. Da neben dieser Berufstätigkeit kaum freie Zeit verbleibt, übernimmt im Gegenzug meist die Ehefrau die familiären Reproduktionsaufgaben.629 Dadurch kann der Mann seiner Ernährer- rolle ungestört nachkommen. Sie selbst nimmt dafür den eigenen Ausschluss aus dem Arbeitsmarkt in Kauf. Ihre unterbrochene...

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