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Sterben, Tod und Trauer im Bilderbuch seit 1945

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Margarete Hopp

Die Studie befasst sich mit dem Erzählen vom Tod im Bilderbuch in historischer und gattungstheoretischer Perspektive und bildet anhand eines Textkorpus’ von 287 deutschen bzw. ins Deutsche übersetzten Titeln die Entwicklung von 1945 bis 2011 ab. Entwickelt wird ein narratologisches Modell der Bilderbuchanalyse, das unter Berücksichtigung von Erfahrungswerten der Sterbeforschung in den Einzelanalysen zur Anwendung kommt. Die Untersuchung fächert ein breites Spektrum von Motiven, von realistischen und phantastischen, religiösen und philosophischen Darstellungskonzepten auf. Eine besondere Rolle spielen Bilderbücher über das Sterben und den Tod von Kindern und die daran nachgewiesene Subgattung des psychologischen Bilderbuchs.
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I. Einleitung

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I.   Einleitung

MORS CERTA, HORA INCERTA. Der Tod ist gewiss, nicht aber die Stunde – nichts ist sicherer als dies. Die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens und seinen Ungewissheiten bleibt aber in einer Gesellschaft, in der Jugendlichkeit und Vitalität die maßgeblichen Indikatoren für Lebensqualität sind, oft aus. Noch bis ins 20. Jahrhundert hatten Sterbeprozesse, Todesfälle und Trauerrituale in der abendländischen Gesellschaft ihren selbstverständlichen Platz im Leben, heute aber ist das natürliche Sterben längst kein kollektives Erlebnis mehr (vgl. Mischke 1996, 40ff.). Es findet zumeist in Krankenhäusern, Altenheimen und Hospizen statt, in jedem Fall aber möglichst fern vom kindlichen Erfahrungsradius. So verschwinden Menschen recht schnell und vor allem aus dem Blickfeld von Kindern, denen oftmals weder Krankenhausbesuche noch ein Abschied vom Sterbenden oder die Teilnahme am Begräbnis gestattet werden. Die erwachsene Abwehr und Sprachlosigkeit dem Tod gegenüber spiegeln sich darin ebenso wie das Bestreben, Kinder zu schonen.

Der Tod ist das Faszinosum, und er ist das Tremendum. Der Gedanke an ihn bringt uns in existenziellen Schrecken und zwingt uns zu existenzieller Neugier. Ihn anzuschauen, ihn zu fliehen, sind zwei Grundimpulse. (Schmidt-Henkel 1990, 209; H. i. O.)

Aber Kinder haben Fragen zum Tod, das „ist heute in der psychologischen Literatur sehr gut belegt“ (Dinges 1990, 3), doch sie erhalten nicht immer ehrliche Antworten darauf. Beschönigungen und Heimlichkeiten aus einer um Schonung bemühten Haltung heraus können jedoch...

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