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«Grammaire des Dames»-«Grammatica per le Dame»

Grammatik im Spannungsfeld von Sprache, Kultur und Gesellschaft

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Gabriele Beck-Busse

Die Studie leistet einen Beitrag zur Geschichte der Grammatikschreibung des Französischen und Italienischen und legt ihren Schwerpunkt auf Frankreich und die deutschsprachigen Länder im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Da bereits in den Titeln Grammaire des Dames und Grammatica per le Dame ein explizit formulierter Adressatenbezug erscheint, konzentrieren sich die Fragen, die dieser seriellen Untersuchung zugrunde liegen, weniger auf die Grammatiktheorie als vielmehr auf den aus der Zeit heraus zu entwickelnden Bezug zu den Damen. Damit gewinnen andere Aspekte an Bedeutung, die mit Bezug auf das Konstrukt «Damen» zu interpretieren sind: Widmungen und deren Adressaten, Ex Libris, Format, Umfang und inhaltliche Schwerpunktbildung der Werke, die Verwendung der Fachbegriffe, die Präsentation der Inhalte bzw. der Kommunikationsmodus, der Zusammenhang Sprachbewertung – Genderkonstrukt sowie die Zeiträume der editorischen Verdichtung vor dem Hintergrund historischer Ereignisse. Der Band enthält eine umfangreiche kommentierte Bibliographie und anschauliches Bildmaterial.
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5. Schlußbetrachtungen: Ridendo dicere verum quid vetat?

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Diese Frage, mit der das Journal des Savants (1715: 570) ein Werk begrüßt, dem es gelingt, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, kann als Leitmotiv einer Literatur verstanden werden, die sich eine ‘mondäne’ Wissensvermittlung zur Aufgabe macht.1

‘Mondän’ sollte hier als “den Idealen von le Monde verpflichtet” gelesen werden: der Begriff nimmt auf eine gesellschaftliche Gruppe Bezug, die sich über Regulative des Seins und des Tuns (Eleganz, Leichtigkeit, honnêteté, civilité, galanterie) definiert, Regulative bzw. Normen, die in der Konversation den idealen Ort der performativen Umsetzung erfahren;2 über den Bezug zum Säkularen, zur Welt-lichkeit, wird dabei zugleich der Gegenpol zu Kirche, Universität, Gelehrtentum und Gelehrsamkeit angedeutet.

Es ist kein Zufall, wenn sich le Monde im allgemeinen und ‘die Damen’ im besonderen, wenn sich die ‘Nicht-Gelehrten’ um die Zeit des Regierungsantritts Ludwigs XIV. verstärkt den Wissenschaften zuwenden:3 im Aufstand der Fronde hatte der Adel eine herbe Niederlage erlitten; infolge der Bindung an den Königshof muß er sich ein neues, außerhalb des Waffengangs liegendes Betätigungsfeld suchen. Es gilt, gesellschaftliche und kommunikative Fertigkeiten zu entwickeln, die ein umfangreiches Allgemeinwissen voraussetzen (Themen, Inhalte) und die eine gezielte Unterweisung in Sprachfragen notwendig erscheinen lassen (Ausdruck, Form), um im Gespräch angemessen interagieren zu können. ← 240 | 241 → In diese Zeit fällt auch die Gründung verschiedener, sich an ein allgemeines Publikum wendender Zeitschriften: 1665 bzw. 1672 ist das Geburtsjahr des Journal des Savants, des Mercure...

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