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«Neuschöpfer des deutschen Volkes»

Julius Streicher im Kampf gegen «Rassenschande»

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Franco Ruault

Wie ist das abstrakte Feindbild des «jüdischen Rassenschänders» zustande gekommen? Welche politischen Strategien, welche Mechanismen von Herrschaft und Unterwerfung verbergen sich dahinter? Wie war es möglich, dass die antisemitischen Sexualphantasien von Rassenschändung die deutsche Gesellschaft in nur wenigen Jahren durchdringen und durch das Wirken von Julius Streicher zur «Kampfgemeinschaft» formen konnten? Diese Arbeit versucht erstmals die Textur jenes Verbrechens zu entschlüsseln, auf welcher der Vorwurf von «Rassenschande» beruht, und zugleich die Ordnung der Wunden, die Matrix des nationalsozialistischen Rassendenkens aufzuzeigen. Der «jüdische Rassenschänder», wie ihn Streicher popularisiert hatte, tritt inmitten Europas in einem seiner modernsten Staaten auf: am Umbruch einer Modernisierungsschwelle, an welcher die deutsche Gesellschaft nicht nur durch soziale, politische und religiöse Erosionsbewegungen zu zerbersten drohte, sondern an der auch gesellschaftliche Alteritäten in den Blick genommen wurden. Aus dem Gegensatz dieser Politikvorstellungen soll erstmals die wohl populärste Variante nationalsozialistischer Judenfeindschaft, die obszöne, sadistische Judenhetze gegen so genannte «jüdische Rassenschändung» deutscher Frauen und Mädchen, wie sie maßgeblich durch Streicher betrieben und forciert worden war, inhaltlich analysiert und in einen historisch-politischen Kontext gestellt werden.
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9. Anmerkungen

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Anmerkungen

Kapitel 1

1 Alexandra Przyrembel: „Rassenschande“. Reinheitsmythos und Vernichtungslegitimation im Nationalsozialismus (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte Band 190) Göttingen 2003. Herbert Schmid: „Rassenschande“ vor Düsseldorfer Gerichten. Eine Dokumentation, Essen 2003.

2 Cornelia Essner: Die „Nürnberger Gesetze“ oder Die Verwaltung des Rassenwahns, Paderborn/München/Wien/Zürich 2002.

3 Vgl. dazu: Wolfgang Hegener: Das Mannequin. Vom sexuellen Subjekt zum geschlechtslosen Selbst, Tübingen 1992.

4 Ulrike Brunotte: Zwischen Eros und Krieg. Männerbund und Ritual in der Moderne, Berlin 2004. Ute Planert: „Vater Staat und Mutter Germania: Zur Politisierung des weiblichen Geschlechts im 19. und 20. Jahrhundert“, in: Ute Planert(Hg.): Nation, Politik und Geschlecht. Frauenbewegungen und Nationalismus in der Moderne, Frankfurt/New York 2000, S.15-65, hier: S.21.

5 So schrieb die völkische Publizisten Kathinka von Rosen 1913 im „Deutschen Volkswart“: „Die Arier waren zu aller Zeit das Herrenvolk und wir, ihre Nachkommen, wollen es auch bis in alle Ewigkeit bleiben ... Steht dieser Wille bei uns fest, so müssen wir uns vor Rassenschändung hüten“, zitiert nach: Ute Planert(2000): „Vater Staat und Mutter Germania..“, a.a.O., S.34. Vgl. dazu: Marcia Klotz: „Memoirs from a German Colony: What Do White Women Want?“, in: Erotisism and Containment. Notes from the Flood Plain. Edited by Carol Siegel and Ann Kibbey (Genders 20) New York and London 1994, p.154-187.

6 Adolf Hitler: Monologe im Führerhauptquartier 1941-1944. Aufgezeichnet von Heinrich Heim. Herausgegeben und kommentiert von...

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