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Landrechtsentwurf für Österreich unter der Enns 1526

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Wilhelm Brauneder

Der Landrechtsentwurf 1526 stellt ein bedeutendes Zeugnis der vom Humanismus geprägten frühneuzeitlichen Wissenschaft vom Privatrecht sowie vom Zivilprozessrecht dar. Er enthält einführend auch eine allgemeine Rechtslehre, etwa über Gerechtigkeit, Gewohnheitsrecht und das Gesetzgebungsrecht des Landesfürsten. Dennoch verweist er für Zweifelsfälle und Lückenfüllung nicht auf das Römisch-Gemeine Recht, sondern auf das heimische Gewohnheitsrecht. Auffallend ist auch das Bemühen um eine deutsche anstelle der lateinischen Rechtsterminologie. Obwohl die landesfürstliche Sanktion ausblieb, folgten weitere ähnliche Texte bis an die Schwelle der naturrechtlichen Kodifikationen im 18. Jahrhundert.
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Einleitung

A) Allgemeines

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In der Edition von Rechtsquellen im Gebiet des heutigen Österreich klafft eine empfindsame Lücke. Urkundenbücher unterschiedlicher Orte, Klöster, Archive1) brechen mit etwa dem Jahr 1500 ab. Besonders signifikant sind die „Quellen zur Geschichte der Stadt Wien“, II. Abteilung. Während ab 1895 die Bände 1 bis 4 bis etwa 1500 im Druck erschienen, ist der anschließende Band V nur hand-schriftlich im Archiv der Stadt und des Landes Wien vorhanden. Ähnliches gilt für die Quellen objektiven Rechts, dessen Editionen ebenfalls die Grenze von 1500 kaum überschreiten wie etwa das „Österreichische Landesrecht“ (hg. von V. Hasenöhrl, 1867) oder das „Steiermärkische Landrechtsbuch“ (hg. von F. Bischoff, 1875). Abgesehen von einigen lokalen oder regionalen Quellen, darunter manche in der Sammlung der „Österreichischen Weistümer“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (1870 ff.), klafft eine editorische Lücke von zweieinhalb Jahrhunderten bis zu den naturrechtlichen Kodifikationen um 1750 beginnend insbesondere mit dem Codex Theresianus2). Die legistische Tätigkeit der habsburgischen Union mit Sitz in Wien bzw. zeitweise in Prag ist damit nicht dokumentiert. Zeitgenössische Drucke betreffen naturgemäß nur legistische Ergebnisse wie besonders die Polizeyordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts, nicht aber Entwürfe und Verwandtes, obwohl sie zum Teil gesetzesähnliche Verwendung fanden und überdies spätere Arbeiten wie etwa den Codex Theresianus beeinflußten. Zwar edierte die „Kommission (der Savigny-Stiftung) für Rechtsgeschichte“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften lokale „Urkundenbücher“, gerade aber deshalb fällt auf, daß die genannte Lücke nicht geschlossen...

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