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Luthers Lehre

Doctrina Christiana zwischen Methodus Religionis und Gloria Dei- Teil 2: Ihr Aufbau und ihr Auftrag

Wichmann von Meding

Teil 2 dieser Vertiefung in Luthers Theologie entfaltet nun, was der erste aus den literarischen Gattungen seiner Schriften erarbeitet hatte. Es tritt den meisten bisherigen, sehr verschiedenen Gesamtkonzepten gegenüber. Christus, nicht die Schöpfung oder gar Ethik, ist das Fundament, zu dem der Katechismus führt. Seine tragend aktive Kraft lässt die Heil schaffende Trinität begreifen. Deren Tun löst jubelndes Gotteslob aus. Es aber stört die selbstzufriedene Welt. Gott regiert sie zwar, sie jedoch widersteht ihm raffiniert. Ein theologisch ungebräuchliches Wort bündelt diese Dramatik und sagt, was der Reformator vom Geschehen zwischen Gott und Mensch in der Welt lehrte. Solche aus dem Zuhören geborene Schlichtheit fiel nicht nur einst auf.
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A. „Ich fiel auch immer tiefer drein“ – Die Instructio

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Luther hörte Gott zu. So beantwortete er die „erkenntnistheoretische Frage: Wo ist der Zugang der Theologie zu ihrer Sache?“20 Mögen Menschen rühmen, was sie fasziniert, „ich frage nach keinem Geist, Christus, Got, als jenem, der in den Hauptstücken des Katechismus steht“21. „Soll man der Christenheit aufhelfen, so muß man wahrlich an den Kindern anfangen“22. Ihr Kapitel greift das der Katechismusgattung auf. Es ergab, Luthers Buch biete kein Glaubenssystem. Erst in „der zweiten Hälfte des lö. Jahrhunderts … gerieten Katechismen … zu theologisch-dogmatischen Textbüchern“23. Hatte er 1525 erklärt, im vorigen Kapitel belegt, „Tilge Christus aus der Schrift, was wirst du weiter in ihr finden?“, so schrieb sein Schüler Mörlin 1564: „Man nehme den Katechismus aus der Bibel/ Was wollen wir darin behalten?“24 Ein Text ersetzte den Retter. Man könnte beginnende Abkehr von Luther auf diese Umdeutung der Katechismen in Glaubensbücher reduzieren. 1821 deutete Badens Unionsurkunde diese wie den Heidelberger Katechismus als „reine Grundlage des evangelischen Protestantismus“25. Reu versteht sie „aus dem Mittelpunkt des Evangeliums“, „das Evangelische“ dann als „Wurzel … christlich sittlichen Verhaltens“26. Vom letzten handeln sie wirklich, vom Evangelium nicht. Zu ihm führt Luthers gesetzliches Kinderbuch hin.

Das kleine wendet sich an Lehrlinge im Christentum. Es soll sie den Gesetzesweg zur Selbsterkenntnis führen27, rohe Heiden mit Säuglingsmilch ernähren. Das Große hilft Predigern, den Weg zum Glauben zu zeigen, lehrt aber keinen Glauben, bietet keine „Vereinfachung der...

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