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Luthers Lehre

Doctrina Christiana zwischen Methodus Religionis und Gloria Dei- Teil 2: Ihr Aufbau und ihr Auftrag

Wichmann von Meding

Teil 2 dieser Vertiefung in Luthers Theologie entfaltet nun, was der erste aus den literarischen Gattungen seiner Schriften erarbeitet hatte. Es tritt den meisten bisherigen, sehr verschiedenen Gesamtkonzepten gegenüber. Christus, nicht die Schöpfung oder gar Ethik, ist das Fundament, zu dem der Katechismus führt. Seine tragend aktive Kraft lässt die Heil schaffende Trinität begreifen. Deren Tun löst jubelndes Gotteslob aus. Es aber stört die selbstzufriedene Welt. Gott regiert sie zwar, sie jedoch widersteht ihm raffiniert. Ein theologisch ungebräuchliches Wort bündelt diese Dramatik und sagt, was der Reformator vom Geschehen zwischen Gott und Mensch in der Welt lehrte. Solche aus dem Zuhören geborene Schlichtheit fiel nicht nur einst auf.
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25. Der bedürftige Mensch

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Wer den Rat erteilt, von Luthers „der ganzen Heilslehre zugrunde liegenden Anthropologie“ auszugehen1, übersieht wohl, daß er lehrte, Got gehe aus, komme zu Menschen, spreche Untertanen des Weltfursten fordernd an (Katechismus). Da alle an seinem Gesetz scheitern, tragen sie weder zu Beginn noch je noch gar grundlegend zur Heilslehre bei. Sie sind nicht ihre Basis, nicht einmal ihr Paragraf, sondern ihre Schüler. Die redet der Reformator, anders als Welt und Teufel, direkt an.

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Humanisten hingegen hielten Menschen für fundamental. „Erasmus richtete seinen Angriff gegen Luther nicht gegen dessen Rechtfertigungslehre oder Christologie, sondern gegen seine Anthropologie, und das nicht ohne Grund“2. Ihm ging es „grundsätzlich um die Leistungsfähigkeit des Menschen in bezug auf das Heil. Kann der Wille etwas dazu beitragen, oder ist er ganz auf Gnade angewiesen und durch Gottes Entscheidung vorherbestimmt? Hier hatte Erasmus es sich wirklich zu leicht gemacht. ‚Das ist zuviel’, stellt Luther … in der einzigen deutschen Wendung seiner Schrift fest. Indirekt hatte Erasmus … nämlich eine unerhörte Glaubensaussage gemacht, die enorme Konsequenzen für die ganze Theologie in sich barg: … daß der Mensch sich mit allen Kräften bemühen, die Buße gebrauchen und die Barmherzigkeit Gottes begehren sollte. Aber damit war nichts über die Möglichkeiten des Menschen und den Beitrag Gottes gesagt, d.h. die Aussage des Erasmus war theologisch bodenlos und vermessen, und dieser Wahnsinn wurde als christliche Frömmigkeit ausgegeben“. Der sonst so skeptische...

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