Show Less
Restricted access

Luthers Lehre

Doctrina Christiana zwischen Methodus Religionis und Gloria Dei

Wichmann von Meding

Zwanzig Autoren haben seit 1862 in ihren Arbeiten und Studien Luthers Lehre geschildert und kamen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Dieses auf zwei Teile angesetzte Werk untersucht nun erstmals, wie Luther selbst Theologie entfaltet wissen wollte. Dazu nutzt der Autor keine neue Methode. Eine, die sich bei Germanisten und Exegeten bewährt hat, stößt auf Luthers Denken in Verben und gibt von daher einem der sechs bisherigen Ansätze recht. Das trotzdem überraschende Konzept führt in große Eindeutigkeit gerade wegen Luthers bekannter Differenzierungskunst: Gott wertet menschliche Werte um.
Show Summary Details
Restricted access

I. Luthers Lehre, historisch gesehen

Extract



„Nicht biographisch, auch nicht geistesgeschichtlich, sondern persönlich will Luther verstanden und erobert werden. Man muß sich selbst dazu einsetzen“1. Trotzdem soll auch ein Lebensplakat die Sache anzeigen, „die durch ihn zur Sprache gekommen ist“2. Da Goethe im Reformationsjubeljahr 1817 an Knebel schrieb: „Unter uns gesagt, ist an der ganzen Sache nichts interessant als Luthers Charakter und es ist auch das Einzige, was der Menge eigentlich imponiert. Alles übrige ist ein verworrener Quark, wie er uns noch täglich zur Last fällt“3. Ob die dem Olympier eher ferne Menge so denkt, mag dahinstehen. „Zeitbedingtes und Bleibendes“ schied man bei Luther mindestens bis 19584. So gefahrvoll diese Operation ist, jedenfalls widerspricht sie ihm: Christi Meisterschaft und, ihr entsprechend, „meine Lehre ist das Hauptstück, darauf ich trotze, nicht allein wider Fürsten und Könige, sondern auch wider alle Teufel … Vom anderen Stück, meinem Leben und persönlichen Charakter, weiß ich durchaus selbst, daß es sündig und keines Trotzens wert ist“5. Luther hielt seine Person nicht für imponierend. Um ihr festes Trotzen auf der Lehre von selbstkritischer Lebensbejahung abheben zu können, fällt zunächst ein Blick auf seine vita.

Wer die in „den konfessionellen Wirren der Reformation“ wurzeln sieht, als Luther (leider?) „nicht auf die Nivellierung und schon gar nicht auf die Egalisierung der gesellschaftlichen Unterschiede“ zielte6, urteilt unhistorisch. Nicht der Wittenberger produzierte den von Goethe erlebten Quark einer konfessionellen Gesellschaft; „der längste und schrecklichste aller...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.