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Trasjanka und Suržyk – gemischte weißrussisch-russische und ukrainisch-russische Rede

Sprachlicher Inzest in Weißrussland und der Ukraine?

Edited By Gerd Hentschel, Oleksandr Taranenko and Siarhej Zaprudski

Weißrussland und die Ukraine gelten als zweisprachig. Millionen von Menschen in beiden Ländern sprechen aber oft weder Weißrussisch bzw. Ukrainisch noch Russisch in Reinform. Vielmehr praktizieren sie eine gemischte weißrussisch-russische bzw. ukrainisch-russische Rede. Diese Mischungen aus genetisch eng verwandten Sprachen werden in Weißrussland Trasjanka und in der Ukraine Suržyk genannt. Der bekannte ukrainische Schriftsteller Jurij Andruchovyč hat das Phänomen in seiner Heimat als Blutschandekind des Bilingualismus angesprochen, also eine Metapher des Inzests kreiert. Darin klingt die verbreitete negative Bewertung der Sprachmischung an. Ihr ist der Band gewidmet. Er umfasst Beiträge von Autoren aus Weißrussland und der Ukraine sowie aus sieben anderen Ländern.
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Die Einstellung zu den gemischten sprachlichen Kodes in Weißrussland (am Material eines matched guise-Tests)

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Alena Liankevič

Situationen eines nah verwandten, kommunikativ unbalancierten Bilingualismus können zum Entstehen einer gemischten Rede führen, in der Merkmale beider Sprachen in verschiedenen Proportionen vorhanden sind. Gewöhnlich ist gemischte Rede durch das Vorhandensein grammatischer Züge der einen Sprache und lexikalischer Züge der anderen charakterisiert, was zu unterschiedlicher Klassifizierung und Bezeichnung der Typen gemischter Rede in Abhängigkeit vom Überwiegen der einen oder anderen Bestandteile führt (BAKKER 2003, 101), dies gilt wenigstens für nicht nah verwandte Sprachen. Für nah verwandte Sprachen, insbesondere für die gemischte weißrussisch-russische Rede stellt G. Hentschel fest, sie gehöre nicht zu den „prototypischen“ Arten gemischter Rede (HENTSCHEL 2008a, 169), die Bakker beschreibt. In Hentschel (2013a) legt derselbe Autor dar, dass die Gegenüberstellung von Grammatik und Lexik im weißrussisch-russischen Sprachkontakt jedoch abgestuft, analog zu einer Entlehnungshierarchie wirksam ist.

Eine solche sprachliche Situation hat sich in Weißrussland entwickelt, wo das Weißrussische und das Russische die Staatssprachen sind, die nationale Sprache der Titularnation, die 81,2% der Gesamtbevölkerung der Republik Weißrussland (NASRB, 168) stellt, aber de facto eine Minderheitensprache ist. In einer Umfrage von 1999 bezeichneten 73,7% der Bevölkerung das Weißrussische als Muttersprache, aber nur 36,7% gaben an, das Weißrussische als Sprache der häuslichen Kommunikation zu verwenden (NASRB, 168). Dabei merken einige Untersucher an, der Anteil der Personen, die das Weißrussische wirklich verwenden, könne noch niedriger sein (GIGER & SLOBODA 2008,...

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