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Trasjanka und Suržyk – gemischte weißrussisch-russische und ukrainisch-russische Rede

Sprachlicher Inzest in Weißrussland und der Ukraine?

Edited By Gerd Hentschel, Oleksandr Taranenko and Siarhej Zaprudski

Weißrussland und die Ukraine gelten als zweisprachig. Millionen von Menschen in beiden Ländern sprechen aber oft weder Weißrussisch bzw. Ukrainisch noch Russisch in Reinform. Vielmehr praktizieren sie eine gemischte weißrussisch-russische bzw. ukrainisch-russische Rede. Diese Mischungen aus genetisch eng verwandten Sprachen werden in Weißrussland Trasjanka und in der Ukraine Suržyk genannt. Der bekannte ukrainische Schriftsteller Jurij Andruchovyč hat das Phänomen in seiner Heimat als Blutschandekind des Bilingualismus angesprochen, also eine Metapher des Inzests kreiert. Darin klingt die verbreitete negative Bewertung der Sprachmischung an. Ihr ist der Band gewidmet. Er umfasst Beiträge von Autoren aus Weißrussland und der Ukraine sowie aus sieben anderen Ländern.
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Der Suržyk im System nah verwandter Zweisprachigkeit: soziolinguistischer und linguistischer Aspekt

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Natal’ja Šumarova

Die mehr als dreihundert Jahre dauernde enge Koexistenz zweier nah verwandter Sprachen, des Ukrainischen und des Russischen, auf dem Territorium der Ukraine hat sich in Wechselwirkungen zwischen den beiden Sprachen sowohl hinsichtlich ihres Status als auch hinsichtlich ihrer Strukturen niedergeschlagen. Den letzteren liegt der Einfluss der russischen Sprache, die lange Zeit die Sprache mit dem höheren Status und dem stärkeren funktionalen Ausbau war, auf das Ukrainische zugrunde, auf seine lexikalische Zusammensetzung, Wort- und Formenbildung, Syntax und Stilistik. Ergebnis dieses Einflusses war die Entstehung des Suržyk, einer „Mischsprache“, die ein ziemlich buntes Gemenge von Elementen verschiedener Sprachsysteme darstellt. Die Bezeichnung wird häufig gebraucht und nur gelegentlich mit der präzisierenden Kennzeichnung „sogenannt“ versehen. Die allgemeine Anerkennung der Tatsache des Existierens eines solchen Hybrids führte zum Erscheinen eines entsprechenden Artikels in der Enzyklopädie Ukraïns’ka mova, wo das Wort Suržyk ohne Präzisierungen und stilistische Kennzeichnungen verwendet wird.

Auf die Frage nach dem Status des Suržyk, seinem Platz in der funktionalen Differenzierung der Idiome (sub”jazyki – Subvarietäten) gibt es bis heute keine eindeutige Antwort. Bei der Bestimmung der sprachlichen Basis dieses Phänomens zeigt die einschlägige Literatur eine Streuung der Meinungen. Der Suržyk wird entweder als „verdorbenes“ Russisch oder als „Prostorečie“1-Ukrainisch oder als eine dritte Sprache dargestellt (vgl. z. B.: SAPLIN 2002;TRUB 2000; RADČUK 2002; STAVYC’KA (red.) 2007). In letzter Zeit verbreitet sich die Ansicht, dass der Suržyk eine heterogene...

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