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Religion – Macht – Freiheit

Deutsches Neuland: Eine Zwischenbilanz

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Edited By Thomas Brose

Zwar schreitet die Säkularisierung in Europa voran, aber der Prozess einer Re-Spiritualisierung gewinnt an Fahrt. Fragen, die unsere Gesellschaft unabhängig von konfessionellen Bindungen bewegen, lauten: Worauf können wir uns verlassen? Was sind Werte, die wirklich zählen? Braucht Europa das Christentum? Aber auch: Welche Gefahren birgt Religion in sich? Können moderne Menschen mit guten Gründen glauben?
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Vom Zusammenleben der Religionen in Deutschland

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Hans Maier

Leben der Religionen – das heißt im 21. Jahrhundert zunächst und vor allem: Zusammenleben der Religionen. In der kleiner gewordenen Welt leben die Religionen nicht mehr – wie vielfach in früherer Zeit – in geschlossenen Kulturräumen, ohne große Berührungen miteinander, ohne intensive wechselseitige Kontakte ihrer Mitglieder. An vielen Stellen der Erde, vor allem in den großen Städten Amerikas, Europas, Asiens, Afrikas, siedeln sie heute nebeneinander, ja ineinander. Daraus ergeben sich Probleme, Reibungen, Konflikte – und die Notwendigkeit des ständigen Ausgleichs. Eine multireligiöse Gesellschaft ist keineswegs einfacher zu steuern als eine multikulturelle, eher ist sie noch um einige Grade konfliktträchtiger – denken wir nur an die Religionskonflikte in der gegenwärtigen Welt in Irland, Bosnien, Nigeria, Sri Lanka und an vielen anderen Orten.

1.  Alte und neue Religionen in Deutschland

Jahrhundertelang, seit dem Reformationszeitalter, schien religiöses Zusammenleben in Deutschland ausschließlich ein Problem zwischen den Konfessionen zu sein. Die Katholiken, die Lutheraner, später die Calvinisten ordneten in Religionsfrieden, Verträgen, Absprachen, Gewohnheiten verschiedener Art unter dem Dach des Reiches ihre wechselseitigen freund-feindlichen Beziehungen – provisorisch und vorläufig, über lange Zeit noch immer in der Hoffnung auf spätere „Vergleichung“ „streitiger“ oder „spaltiger“ Religion. Es war ein Provisorium, das schließlich dauerhafte Formen annahm. Nachdem die Konfessionen in Deutschland einander weder bekehren noch verdrängen noch vernichten konnten, mussten sie Frieden halten, Religionsfrieden – und so wurde der Religionsfrieden mit seinen Wirkungen und Folgen zum...

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