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Religion – Macht – Freiheit

Deutsches Neuland: Eine Zwischenbilanz

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Edited By Thomas Brose

Zwar schreitet die Säkularisierung in Europa voran, aber der Prozess einer Re-Spiritualisierung gewinnt an Fahrt. Fragen, die unsere Gesellschaft unabhängig von konfessionellen Bindungen bewegen, lauten: Worauf können wir uns verlassen? Was sind Werte, die wirklich zählen? Braucht Europa das Christentum? Aber auch: Welche Gefahren birgt Religion in sich? Können moderne Menschen mit guten Gründen glauben?
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Christenclub – Titanentochter – Abendland? Eine europäische Spurensuche

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Christenclub – Titanentochter – Abendland? Eine europäische Spurensuche

Philipp W. Hildmann

Europa ist kein „Christenclub“1 – mit dieser Aussage unterstrich der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2008 einmal mehr seine Warnung an die versammelten Europapolitiker, den Islam als Argument gegen einen EU-Beitritt seines Landes zu missbrauchen. Europa ist kein Christenclub, was aber ist Europa dann? Ein „Werteclub“2, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel als Antwort auf ihren türkischen Amtskollegen formulierte? Geprägt von den „Werte[n] des christlich-abendländischen Europa“3, wie es beispielsweise im aktuellen Grundsatzprogramm der Christlich-Sozialen Union heißt? So zahlreich sind die Antwortversuche, dass man in Abwandlung eines Bonmots Friedrich Nietzsches sagen möchte: Es ist Kennzeichen der Europäer, dass bei ihnen die Frage ‚was ist Europa?‘ niemals ausstirbt.4

Und doch hat sich nach den Feierlichkeiten zum Beitritt der neuen EU-Mitgliedsländer Rumänien und Bulgarien am 1. Januar 2007 und zum 50. Jahrestag der Römischen Verträge, nach den erregten Debatten über Gottesbezug, Flagge, Motto, Hymne oder einen europäischen Außenminister, nach dem endgültigen Scheitern des Europäischen Verfassungsvertrags und dem Ende der zeitweilig turbulenten deutschen EU-Ratspräsidentschaft längst eine gewisse Europamüdigkeit eingestellt.5 Die auf dem Höhepunkt der europäischen ← 47 | 48 → Verfassungskrise ausgerufene Denkpause6 scheint aktuell in einen übersättigten Verdauungsschlaf übergegangen zu sein. Der europapolitische Alltag präsentiert sich nach einer Zeit tiefer Unsicherheit heute wieder gewohnt kleinteilig...

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