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Religion – Macht – Freiheit

Deutsches Neuland: Eine Zwischenbilanz

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Thomas Brose

Zwar schreitet die Säkularisierung in Europa voran, aber der Prozess einer Re-Spiritualisierung gewinnt an Fahrt. Fragen, die unsere Gesellschaft unabhängig von konfessionellen Bindungen bewegen, lauten: Worauf können wir uns verlassen? Was sind Werte, die wirklich zählen? Braucht Europa das Christentum? Aber auch: Welche Gefahren birgt Religion in sich? Können moderne Menschen mit guten Gründen glauben?
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Inflationskontrolle. Die christliche Unterscheidung zwischen hoher und niedriger Transzendenz

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Inflationskontrolle. Die christliche Unterscheidung zwischen hoher und niedriger Transzendenz

Johann Ev. Hafner

1.  Christentum als Kultur?

Die christliche Unterscheidung zwischen hoher und niedriger Transzendenz: Das klingt ziemlich vollmundig, ist der Gegenstand „Christentum“ doch ein weites Feld. Zu ihm gehört ja nicht nur seine dogmatische Gestalt, sondern auch seine historische Gewordenheit, seine liturgische Praxis, seine privatfrommen Ausdrucksformen usw. Man redet daher heute gerne von Christentum als Kultur, weil man mit diesem Begriff die Mehrdimensionalität dieser Religion zu bezeichnen versucht. Von Kultur sprechen wir auch dann noch, wenn niemand mehr irgendwas glaubt, denn immerhin hat das Christentum das Abendland kulturell geprägt. Überall stehen Kirchen in der Landschaft, in Bayern und sogar in Brandenburg. Wenn ein Mensch stirbt, verwendet man in den allermeisten Fällen Kreuze.

Vor Monaten kam eine meiner konfessionslosen Studentinnen bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Die ebenso konfessionslose Mutter und der atheistische Vater wollten ihre Tochter aber von einem Pastor und vom Religionsprofessor beerdigt haben, sie wollten eine hebräische Inschrift auf dem Grabstein und setzten ihrer Tochter ein Marterl an den Unfallort. Auf die kulturelle Verwendung und die Allgegenwart christlicher Symbole scheinen wir uns also noch lange verlassen zu können, auch wenn dahinter weder Glaubenswissen noch Kirchenengagement stehen. Zwei Punkte gilt es, von Anfang an zu bedenken. Zuerst die gute Nachricht:

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