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Religion – Macht – Freiheit

Deutsches Neuland: Eine Zwischenbilanz

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Thomas Brose

Zwar schreitet die Säkularisierung in Europa voran, aber der Prozess einer Re-Spiritualisierung gewinnt an Fahrt. Fragen, die unsere Gesellschaft unabhängig von konfessionellen Bindungen bewegen, lauten: Worauf können wir uns verlassen? Was sind Werte, die wirklich zählen? Braucht Europa das Christentum? Aber auch: Welche Gefahren birgt Religion in sich? Können moderne Menschen mit guten Gründen glauben?
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Vorwort

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„ES WIRD ETWAS GESCHEHEN.“ – aktivierend und herausfordernd lautet der Titel einer Erzählung von Heinrich Böll. Diese Geschichte hat mich Anfang 1989 bei Vorträgen und Seminaren mit Studentinnen und Studenten in der DDR begleitet. Sie war für den Vortragenden wie ein kleiner Motor, um auf Touren zu kommen, Ängste abzustreifen und präziser zu sprechen.

Dass die Welt gerade dabei war, sich zu drehen, zu wenden und zu revolutionieren, beschäftigte uns – Glaubende wie Nichtglaubende in Ostdeutschland – bei nächtlichen Wortgefechten und täglichen Diskussionen: Wäre ich damals nach meiner Prognose für die Zukunft gefragt worden, hätte die Antwort gelautet: Alles müsste sich hier ändern – aber wie und zu welchem Preis?

„ES IST ETWAS GESCHEHEN!“ – heißt es schließlich bei Böll: Ungläubiges Staunen stand am Anfang. Mit dem Ende der Einmauerung am 9. November 1989 wurde der Eiserne Vorhang endgültig durchlöchert. Deutsche aus Ost und West, Europäer und Amerikaner erlebten eine weltgeschichtliche Zäsur, mit deren Folgen wir heute – ein Vierteljahrhundert nach dem MAUERFALL – längst nicht zu Ende gekommen sind.

Anders als die Eule der Minerva, die nach Hegels melancholischer Metapher erst in der Dämmerung ihren Flug beginnt, beansprucht Katholische Theologie mehr zu leisten als nachträgliches Konstatieren. Minervas Eule, Sinnbild philosophischer Reflexion am „Ende des Tages“, besitzt für den Meisterdenker des 19. Jahrhunderts nämlich keinerlei prognostische Relevanz. Und darin ist ihm Francis Fukuyama in...

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