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Sozialgeschichte der spanischen Literatur in Deutschland

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Martin Franzbach

Der Autor untersucht die Beziehungen der spanischen zur deutschen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In einer Reihe von Einzeldarstellungen und nach Jahrhunderten gegliedert ergibt sich ein abwechslungsreiches Panorama mit umfassenden Bibliographien. Das Buch thematisiert unter anderem Grimmelshausen und Harsdörffer, die Maurophilie Herders, Spanienbilder bei Lessing, Schiller, Goethe und Heine sowie die Rezeption des Theaters García Lorcas und die Kreation eines Bestsellers am Beispiel von Javier Marías.
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Das 18. Jahrhundert

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Die Problematik der spanischen Sprache in Deutschland

Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass die spanische Sprache in Deutschland im 18. Jahrhundert nur wenig Ansehen gehabt habe. Einige Forscher behaupten sogar, dass nach der habsburgischen Universalmonarchie im 16. und 17. Jahrhundert das Spanische erst wieder mit der deutschen Romantik an Bedeutung gewonnen habe. Dieses Urteil gründet sich nicht zuletzt auf das erdrückende Übergewicht des Französischen, das teilweise sogar die deutsche Sprache verdrängte. Voltaire hat um 1750 gesagt, er fühle sich in Berlin wie in Paris, weil man in seinen Kreisen nur das Französische höre. Aber auch das Italienische und das Englische scheinen verbreiteter als das Spanische gewesen zu sein. Von der Bedeutung des Spanischen legen nicht zuletzt die Sprachlehrbücher ein beredtes Zeugnis ab, weil sie immer aus einem praktischen Bedürfnis heraus entstanden sind. Um auch die Verbreitung der ausländischen Lehrwerke anschaulich einzuschätzen, sind möglichst viele Auktions- und Bücherkataloge von privater Hand zu exzerpieren, um die Wirkung von französischen, englischen, italienischen und lateinischen Standardwerken zu verfolgen.

Die Idee vom Spanischen als Weltsprache spielt damals keine Rolle mehr. Es sind vielmehr aktuelle, politische, wirtschaftliche, kulturhistorische und persönliche Erwägungen, die zum Studium des Spanischen führen. Die Voraussetzungen für eine bedeutende Position des Spanischen sind im 18. Jahrhundert wesentlich bescheidener. Spanien befindet sich territorial auf dem Rückzug. Holländische und englische Flotten beherrschen die Meere. Portugal hat sich aus...

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