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Aberglaube und Unverstand in der Lehre von Versuch und Rücktritt

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Martina Oberhofer

Die Autorin analysiert Unterschiede und Parallelen zwischen grob unverständigen und irrealen Versuchs- bzw. Rücktrittshandlungen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die gegenwärtige Ungleichbehandlung solcher Irrtümer sachwidrig ist und das geltende Recht keine befriedigende Lösung bietet. Deshalb unterbreitet die Autorin einen eigenen Vorschlag einer Gesetzesänderung, in dem sie sich für eine Entkriminalisierung beim Versuch ausspricht. In der gegenteiligen Rücktrittssituation führt die Gesetzesauslegung zur Versagung einer Strafbefreiung bei beiden Irrtumsarten. Auf diese Weise entwickelt sie ein stimmiges Konzept bei der Strafbegründung und Strafaufhebung, welches zudem mit Blick auf eine künftige Europäisierung des Strafrechts mit einem europäischen Gesamtkonzept kompatibel ist.
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3. Teil: Gründe für Ungleichbehandlung, Konsequenz der Analyse

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3.  Teil:  Gründe für Ungleichbehandlung, Konsequenz der Analyse

Die Untersuchung hat bisher gezeigt, dass nach heute nahezu einhelliger Rechtsauffassung unterschiedliche Rechtsfolgen an grob unverständige und abergläubische Versuche geknüpft werden, obwohl bei beiden Versuchsarten die Voraussetzungen der §§ 22 f. StGB erfüllt sind.

Mit den im ersten und zweiten Teil erarbeiteten Grundlagen ist der Boden für den Kern der Untersuchung bereitet. Nun sollen mögliche Gründe untersucht werden, welche die ungleichen Rechtsfolgen rechtfertigen würden (A.- B.). Danach sollen die in allen drei Hauptteilen gewonnenen Erkenntnisse zusammengeführt und so ein in sich stimmiger Lösungsweg für die Frage der strafrechtlichen Behandlung abergläubischer und grob unverständiger Versuche ausfindig gemacht werden (C.).

Im Folgenden wird untersucht, ob mit Blick auf die Schwere des Unrechts (A.) bzw. in sozio-kultureller Hinsicht (B.) eine Legitimierung für eine strafrechtliche Ungleichbehandlung von abergläubischen und grob unverständigen Versuchen hergeleitet werden kann. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, inwiefern der nach der gesetzlichen Konzeption grundsätzlich strafbare grob unverständige Versuch als hinreichend strafwürdiges Unrecht angesehen werden kann.

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