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Aberglaube und Unverstand in der Lehre von Versuch und Rücktritt

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Martina Oberhofer

Die Autorin analysiert Unterschiede und Parallelen zwischen grob unverständigen und irrealen Versuchs- bzw. Rücktrittshandlungen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die gegenwärtige Ungleichbehandlung solcher Irrtümer sachwidrig ist und das geltende Recht keine befriedigende Lösung bietet. Deshalb unterbreitet die Autorin einen eigenen Vorschlag einer Gesetzesänderung, in dem sie sich für eine Entkriminalisierung beim Versuch ausspricht. In der gegenteiligen Rücktrittssituation führt die Gesetzesauslegung zur Versagung einer Strafbefreiung bei beiden Irrtumsarten. Auf diese Weise entwickelt sie ein stimmiges Konzept bei der Strafbegründung und Strafaufhebung, welches zudem mit Blick auf eine künftige Europäisierung des Strafrechts mit einem europäischen Gesamtkonzept kompatibel ist.
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5. Teil: Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Arbeit

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5.  Teil:  Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Arbeit

Die in § 23 Abs. 3 StGB geregelte Besserstellung erklärt sich dadurch, dass der Unwertgehalt grob unverständiger Versuche erheblich unter dem generellen Schweregrad ihres Genres (des Versuchs) zurückbleibt und ein Strafbedürfnis allenfalls mit spezialpräventiven Erwägungen begründet werden kann. Die Unrechts- und Schuldminderung im Vergleich zu anderen Versuchen ergibt sich dabei aus einer Gesamtbetrachtung wesentlicher (v. a. versuchsbezogener) Strafzumessungskriterien.1005

§ 23 Abs. 3 StGB ist bei allen „völlig abwegigen“ Versuchen anzuwenden – ungeachtet des Grundes der Untauglichkeit bzw. des Ursprungs der Fehlvorstellung. Beschränkungen im Anwendungsbereich ergeben sich nur aus dem Wortlaut dieser Norm selbst, so dass lediglich grob unverständige Tatmotive aus dem Regelungsbereich der Norm auszuschließen sind. Als „grob unverständig“ ist demzufolge jede nach allgemeinem Erfahrungswissen evident unzutreffende Vorstellung über ein Tatbestandsmerkmal zu verstehen, die auf intellektuellen Mängeln beruht.1006

Ungeachtet des weit gefassten Wortlautes des § 23 Abs. 3 StGB („kann“-Regelung) kommen de lege lata nur die ausdrücklich genannten Rechtsfolgemöglichkeiten in Betracht. Eine Sanktionswahl besteht demnach nur zwischen Absehen von Strafe und Strafmilderung nach § 49 Abs. 2 StGB (mit der Höchstgrenze des § 49 Abs. 1 StGB).1007

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