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Anlageberatung im Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz und Überregulierung

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Gero Lingen

Die Anlageberatung besitzt in Deutschland eine enorme Bedeutung, weil zahlreiche Verbraucher keine eigenen Finanzkenntnisse besitzen. Sie sind daher im Vorfeld ihrer Anlageentscheidungen auf eine externe Beratung angewiesen. Der Gesetzgeber steht angesichts des hohen Beratungsbedarfs vor der großen Herausforderung, adäquate Rahmenbedingungen zu schaffen, um ein angemessenes Verbraucherschutzniveau sicherstellen zu können, ohne zugleich die Anbieterseite mit überflüssigen Regeln zu behindern. Vor diesem Hintergrund analysiert und bewertet der Autor ausführlich das aktuell bestehende Spannungsverhältnis zwischen notwendigem Verbraucherschutz einerseits und der Gefahr einer Überregulierung andererseits.
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Einleitung

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I. Anlageberatung im Fokus der Öffentlichkeit

Die einschlägige Wirtschaftspresse berichtet schon seit Jahren in regelmäßigen Abständen über Studien zur Qualität der Anlageberatung. Nach Ausbruch der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 nahm sich dann fast täglich auch die Tagespresse des Themas Anlageberatung an, wobei der Schwerpunkt auf der Berichterstattung über potenzielle Falschberatungen lag. Dadurch wurde auch der interessierte Laie und Bankkunde auf das Thema Anlageberatung aufmerksam. Aus finanzwirtschaftlicher Sicht kann die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers Holdings Inc. am 15. September 2008 (Insolvenzantrag) als historisches Datum angesehen werden. Während nämlich bis dahin angenommen wurde, dass bestimmte Finanzinstitute zu groß und wichtig (systemrelevant) seien, um zahlungsunfähig zu werden („too big to fail“), änderte sich diese Einschätzung schlagartig und brachte das weltweite Finanzsystem in schwere Schieflage. Die Insolvenz der Investmentbank hatte dabei auch Auswirkungen auf die Anlageberatung in Deutschland, weil zahlreiche Inhaber von Zertifikaten mit Bezug zu Lehman Brothers (Emittent oder Basiswert) hohe Vermögensverluste erlitten. In der Folge gab es eine Flut von Anlegerschutzprozessen, wobei sich diese nicht auf Lehman Brothers Produkte beschränkten.1 Im Zuge der Finanzmarktkrise kam es neben einer breiten Kritik an der Finanzmarktstruktur im Allgemeinen auch zu einer öffentlichen Debatte über die Qualität der Verbraucheranlageberatung in Deutschland. Politische Reaktionen hierauf erfolgten anschließend in Form zahlreicher europäischer und nationaler Regulierungsmaßnahmen, die als Ziel eine Verbesserung des Kundenschutzniveaus in der Anlageberatung hatten. Angesichts der vielfältigen gesetzlichen Reformen unterliegt das Dienstleistungsangebot der Anlageberatung...

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