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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Witz – Würde – Wucht

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Wirkungsqualitäten antiker, spätantiker und mittelalterlicher lateinischer Versarten1

Der Titel dieses Beitrages soll die vielfältigen Wirkungen andeuten, die die verschiedenen Gattungen lateinischer Verse trotz historisch nicht mehr vollständig rekonstruierbarer Vortragsart auf den Hörer auszuüben vermögen.

Metrik ist die einzige philologische Disziplin, die mathematische Regeln in sprachlichen Äußerungen zu entdecken imstande ist. Verständlich ist daher die Versuchung der Metriker, ihre Disziplin auf die zähl- und messbaren Phänomene: Metrum, Silbenquantitäten, Akzente und Strophenformen, zu beschränken und ohne Berücksichtigung des Textinhalts Aussagen über die poetische Form und ihre beabsichtigte Wirkung zu machen.

Doch nicht weniger bedenklich ist die Neigung der Textphilologie, Inhalt und Intention eines Textes in erster Linie aus dem rein sprachlichen Kontext zu erschließen, jedoch die vom Verfasser gewählte metrische oder rhythmische Form als Mittel der Aussage zu vernachlässigen. Beiden – den Metrikern wie den Textphilologen – gemeinsam ist der Fehler, die lautliche Realisierung des Textes, die erst alle Sinne anspricht, d.h. die performance, antik: die actio, als eher überflüssige Kunstreproduktion geringzuschätzen.

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