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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Ciceros Anthropologie und Sozialtheorie

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(De finibus V, 24 ff. und De officiis I, 53 ff., 107 ff.)1

I. Zum Thema und zum Zusammenhang von Cic. fin. V und off. I.

Die Frage nach dem Wesen des Menschen und die damit verbundene Frage nach der Stellung des Menschen in Staat und Gesellschaft beschäftigte Cicero als Philosoph ebenso wie als Staatsmann. Die Kernstellen zu diesen noch heute wichtigen und mit immer neuen Problemen belasteten Themen befinden sich im V. Buch seiner Abhandlung “Über die höchsten Werte und ihr Gegenteil” (De finibus bonorum et malorum) und dem I. Buch “Über die Pflichten” (De officiis), seinem letzten großen philosophischen Werk. Nach der Wahl meines Themas sah ich, dass Hans LERETZ 1992 beiden Kernstellen in Hinblick auf die schulische Verwendung Interpretationen gewidmet hat. Ich glaube jedoch den philosophischen Zusammenhang noch etwas deutlicher darstellen zu können.

Aber auf den ersten Blick spricht nicht viel dafür, diese zwei philosophischen Abhandlungen unter einer – doppelten – Fragestellung zu verbinden. Mit De finibus hat Cicero ein philosophiehistorisches und zugleich dogmenkritisches Werk geschaffen, in dessen I. Buch er die Lehre Epikurs, ausgehend von dessen Theorien zur Physik, darstellte, um sie im II. Buch einer grundsätzlichen, ja polemischen Kritik zu unterziehen, deren Resultat die Ablehnung dieser Philosophie war, weil sie auf den höchsten Lustgewinn als Lebensziel gerichtet war. Nur wenig besser ergeht es der Philosophie der Stoiker, die er nach der ausführlichen und deutlich akzeptabler gehaltenen Darstellung im III. Buch...

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