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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Römische Staatstheorien

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im Übergang von der Republik zum Prinzipat1

I.

Die römische Geschichtsschreibung datierte das Ende der vom legendären Staatsgründer Romulus errichteten Monarchie und den Beginn der Republik auf das Jahr 509 v. Chr. Aber die heutige Forschung beweist, dass Rom erst mehr als 50 Jahre später, um die Mitte des 5. Jahrhunderts, eine republikanische Verfassung erhielt, jedoch nicht als umfassendes und abgeschlossenes Verfassungswerk. Sondern in langen Kämpfen wurden Rechte des römischen Bürgers, die Versammlungen des Volkes, die Wahl der Beamten, die Ausübung ihrer Kompetenzen, die ständige Ergänzung des Senats, die Rechtspflege, die Finanzverwaltung, die Bildung der Heere und die Schutzrechte des Volkes erzwungen, und sie funktionierten über mehrere Jahrhunderte, ohne dass es eine geschriebene Verfassung gab. Weder das XII-Tafel-Gesetz noch andere iura und leges der frühen Republik legten mehr als nur Teildefinitionen der Verfassungsstruktur fest. Das gilt auch noch für die Verfassung des Augustus und die leges de imperio der frühen Kaiserzeit.

Etwa 300 Jahre nach Beginn der römischen Republik wollte der griechische Politiker, Philosoph und Historiker Polybios, der nach Ende des Königreichs Makedonien als Geisel nach Rom gebracht und dort in der Familie des Aemilius Paullus aufgenommen worden war, herausfinden, woher Rom die Kraft gewonnen hatte, in nur 53 Jahren, zwischen 220 und 168 v., seinen gefährlichsten Machtkonkurrenten, Karthago, und die stets unruhigen Staaten der hellenistischen Welt zu bezwingen und zur Weltmacht aufzusteigen (Polyb. hist. VI,...

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