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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Biographische Exkurse in der antiken Geschichtsschreibung

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von Thukydides bis Tacitus1

I.

Biographische Exkurse gehören seit dem fünften vorchristlichen Jahrhundert zum literarischen Grundbestand der antiken Historiographie. Doch das philologische Interesse gilt in erster Linie der erst deutlich später entwickelten monographischen Biographie. Auch die Geschichte der antiken Biographie von H. SONNABEND2 schöpft die Fülle der reich variierten biographischen Exkurse und ihrer Funktion für die Darstellung der Ereignisgeschichte nicht aus. Diese Zurückhaltung ist insofern berechtigt, als die biographischen Exkurse in der Regel nicht nur kurz sind, sondern weniger Faktenangaben als vielmehr Charakterisierungen enthalten. Doch weil sie das einzige der drei antiken Exkursgenera sind, das sich regelmäßig auch in der Historiographie der Neuzeit findet3, soll in diesem Beitrag in aller vom verfügbaren Raum her gebotenen Knappheit versucht werden, Formen und Funktionen dieses vielgestaltigen Elements der antiken Historiographie bis zu ihrem ersten Höhepunkt in den historischen Werken Sallusts zu verfolgen.

Wenn jedoch bedeutende antike Historiker wie Herodot und Caesar weitgehend auf eigens aus dem Fluss der Ereigniserzählung herausgehobene Personen-Charakteristiken verzichten können4, erhebt sich die Frage nach der Darstellungs- und Deutungsabsicht jener Historiker, die sie verwenden und meistens mit besonderem literarischen Aufwand ausgestalten. Geht es ihnen nur um die Vorstellung der wichtigsten Akteure des historischen Geschehens, also um Information, oder um die Erklärung des Geschehens aus dem Charakter der Akteure, also bereits um Deutung, oder nur um eine Belebung der Darstellung, also um literarische Wirkung?

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