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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Deutungsschichten in Ovids Sagenerzählungen

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Pygmalion (met. X, 243-297) und Pomona und Vertumnus (met. XIV, 622-771)

Die viel behandelte Pygmalion-Episode und die weniger im Vordergrund des Interesses stehende Geschichte von der Werbung des Vertumnus um die römische Gartengöttin Pomona sind beide nicht typisch für die erotischen Episoden der ovidischen Metamorphosen, weil sie glücklich enden. Doch die in die Vertumnus-Episode eingelegte Geschichte vom traurigen Ende des unglücklich verliebten Iphis entspricht eher dem vom Leser erwarteten Ende. Aber beide Geschichten zeigen in exemplarischer Weise die zu beträchtlichen Widersprüchen führenden Schwierigkeiten der Metamorphosen-Interpretation.

I. Zur Methode der Interpretation

Alle große Dichtung trägt eine Vielzahl von Deutungsmöglichkeiten in sich. Die lange Wirkungsgeschichte der Weltliteratur hat in der Regel weitaus mehr Deutungen hervorgebracht, als in der Absicht des Autors lagen. Dies gilt auch für Ovids Sagendichtung, wie der folgende Blick in die Forschungsgeschichte zeigen wird.

Die Suche nach der eigentlichen oder tieferen Bedeutung, der ὑπόνοια, ist so alt wie die griechische Philosophie und Philologie. Dass diese oft mit teilweiser Über- oder Falschinterpretation erkauft ist, wird dann den folgenden Rezipientengenerationen bewusst. Aber so berechtigt auch die Mahnung sein mag, zur philologisch beweisbaren Interpretation zurückzukehren, so hält sich doch oft hartnäckig die falsche oder schiefe Deutung, die die Wünsche des Lesers mehr anspricht, weil sie die scheinbar tiefere ist. Das Muster solcher fruchtbaren Fehldeutungen ist das Hohelied, das seine zahlreichen gattungsfremden Interpretationen allein dem Umstand seiner Zugeh...

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