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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Die Welt der Götter in der römischen Dichtung

I.

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Wer an die römischen Götter und ihre meistens vom römischen Staat getragenen Kulte denkt, hat unweigerlich die imposanten römischen Tempel in Rom oder Italien und Gallien und dem vorderen Orient vor Augen.

Der Kult, der sich in und vor ihnen täglich und besonders anlässlich der großen jährlichen Götterfeste abspielte, war in ritueller Handlung, in Gebeten und in den sehr verschiedenartigen Opferriten streng formalisiert. Ein einzige falsche Handlung, ein einziges falsches Wort konnte den ganzen Ritus ungültig machen. Wie in Griechenland hatten nur die Priester und die höchsten Beamten Zugang zum Innern des Tempels, nur sie sahen die Kultstatue und konnten direkt die Gebetsformeln an sie richten. Dagegen die Bürger blieben außerhalb des Tempels und nahmen nur an den Opferriten am Altar teil, der außerhalb des Tempels stand. Wer ein persönliches Anliegen an den Gott hatte, konnte dort sein eigenes Gebet sprechen und ein eigenes, kleineres Opfer darbringen.

Anders war es im Privathaus, in dem die Hausgötter, die Laren und die Penaten, verehrt wurden, und auf dem Lande, wo die Schutzgötter des Landes, des Ackers, der Feldfrüchte, des Viehs um Hilfe angerufen wurden. Die oft noch ganz primitiven Götterbilder standen unter freiem Himmel oder in kleinen Giebelschreinen.

Aber auch Bäume, Quellen, Bäche und selbst steinerne Idole konnten ihre unsichtbaren Schutzgötter haben. Kleine Altäre oder auch nur einfache Binden oder Kr...

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