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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Petrons literarische Universalität

I. Einleitung: Das Problem der Werkgattung

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und die Anthropologie der Satyrica

Die Konzeption des Themas erfordert eher eine generelle Übersicht über die Formen und Inhalte des Werks als eine detaillierte Textinterpretation.

a) Soweit die antike Literatur – sowohl die griechische wie die lateinische – uns bekannt ist, stellen wir fest, dass die Satyrica des T. Petronius Arbiter – dies sind die richtigen Namen des Werkes und seines Verfassers – ein singuläres und außergewöhnliches Werk sind, obwohl sich, wie SULLIVAN 81 f. betont, zu fast allen seinen Themen Parallelen im Epos, im Roman und in der Satire finden lassen. Schon die Klassifikation der Satyrica unter die Gattung des Romans ist prekär. Denn erstens galt das, was wir als Roman bezeichnen, in der Antike als kunstlose Unterhaltung. Daher entwickelte die antike Literaturtheorie, die in der Rhetorik und in der Grammatik angesiedelt war, keine Theorie des Romans. Es finden sich nur einige wenig aussagekräftige Termini wie fabulae oder fabula Milesiaca oder fabula Graecanica … sermone Milesio – dies die von Apuleius formulierte Gattungsbezeichnung – oder argumenta, πλάσματα und knappe Andeutungen über den Inhalt, nämlich fiktive Erzählungen mit Liebesgeschichten oder Abenteuern. Aber keine einzige Analyse beschreibt die literarische Form des antiken Romans und seiner Bestandteile. Daher wissen wir nicht, ob ein antiker Literaturtheoretiker die romanhaften Teile der Κύρου παιδεία Xenophons oder die utopischen Reiseberichte wie Τὰ ὑπὲρ Θούλην ἄπιστα des Antonius Diogenes der Gattung des Romans oder überhaupt derselben literarischen Gattung zugerechnet hätte.

b) Zudem zeigen Petrons Satyrica viele Unterschiede zu den Romanen, die heute generell und unwidersprochen...

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