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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Alte und neue Inschriften des römischen Mainz

Bibliographische Hinweise

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als bewegende Zeugnisse des Privatlebens

Inschriften sind zwar die einzigen authentischen Texte, die aus der antiken Welt bis in unsere Tage überdauert haben. Aber geschlossene, zeitlich und sachlich zusammenhängende Bestände, wie sie etwa die Tontafelarchive Mesopotamiens oder die griechischen Papyri der in Mittelägypten gelegenen Stadt Oxyrrhynchos darstellen, sind in Mitteleuropa kaum anzutreffen. Will man dennoch Verbindungen zwischen den oft isoliert überlieferten und sehr verschiedenartig gestalteten Inschriften herstellen, so bietet sich die Gruppierung nach Gattungen wie Ehreninschriften, Weiheinschriften, Grabinschriften, oder nach Personenkreisen oder nach Inhalten an. Wenn ich die historisch bedeutsamen Ehren- und Weihinschriften mit ihrer komplizierten Ämterterminologie und ihren vielfältigen historischen Bezügen lieber den Vertretern der Alten Geschichte und Epigraphik überlasse und mich nur den Privatinschriften widme, bedeutet dies die Beschränkung auf ganze zwei Dokumentgattungen: Grabinschriften und Verfluchungsinschriften, eine erst seit 2001 bekannte Mainzer Inschriftenspezialität. Aber meine Absicht ist es, mit diesem Beitrag die menschlichen Aspekte dieser steinernen Zeugen einer fernen Vergangenheit nahezubringen – deutlicher als ich es wegen des knappen Platzes in meiner Inschriftenpublikation Siste viator et lege konnte.

Die Begeisterung für Grabinschriften entspringt nicht einer makabren Neigung des Verfassers, sondern dem Wunsch der antiken Menschen, von ihrem zu Ende gegangenen Leben mehr als nur den Grabhügel als Ort des Totengedenkens und ihren Namen oder allenfalls die Ämter und Titel zu hinterlassen. Die Gräber der Reichsten standen an den Ausfallstraßen der antiken Städte. Dort sollten sie auch von Fremden gesehen und bewundert...

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