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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Ein Kreuzzugsepos in Vagantenstrophen

I. Der Rithmus de expeditione Ierosolimitana des sog. Haymarus (kurz nach 1191)

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Der Rithmus de expeditione Ierosolimitana erzählt die Eroberung von Akkon während des Dritten Kreuzzuges. Das Werk wurde bald nach 1191 von einem Augenzeugen und Leidgenossen dieser Ereignisse verfasst. Es ist also eines der ganz wenigen historischen Epen der gesamten Geschichte der lateinischen Literatur, die nicht vom Mythos oder von historischen Kriegen ferner oder allenfalls näherer Vergangenheit handeln, sondern von zeitgenössischen Ereignissen. Für ein Epos ungewöhnlich ist auch die metrische Form: es schließt sich nicht der Tradition der daktylischen Hexameter an, sondern erzählt die schrecklichen Ereignisse geradezu liedhaft in 224 gereimten Vagantenstrophen (daher Rithmus, also insgesamt 896 Versen).1 Wegen dieser Besonderheit hat der Rithmus de expeditione Ierosolimitana in der Geschichte des mittellateinischen Epos bisher keine Berücksichtigung gefunden.

Nach der Editio princeps2 wurde es zum ersten Male textkritisch von P.E.D. RIANT unter dem Titel Haymari Monachi de expugnata Accone liber tetrastichus, Paris 1866 (als Ergänzung der Diss. Paris 1865), herausgegeben3 und zuletzt 2006 durch die verdienstvolle Ausgabe von Sascha FALK4 erschlossen. Der Autor heißt in den wenigen überlieferten Handschriften Monachus Florentinus und ist vermutlich mit dem in einer zeitgenössischen Chronik als Patriarch von Jerusalem überlieferten Heimer identisch. RIANT hat seinen Namen zu der heute gebräuchlichen Namensform Haymarus latinisiert.5

Dieser Beitrag hat das Ziel, nach einem kurzen Überblick über die historischen Ereignisse und den Inhalt des Epos die Frage zu klären, warum Haymarus es gegen alle literarischen Konventionen in gereimten Vagantenstrophen gedichtet...

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