Show Less
Restricted access

700 Jahre Boccaccio

Traditionslinien vom Trecento bis in die Moderne

Series:

C. Bertelsmeier-Kierst and Rainer Stillers

In diesem Band werden neue Ergebnisse vorgestellt, die anlässlich des 700. Geburtstages Giovanni Boccaccios 2013 im interdisziplinären Dialog zwischen Literaturwissenschaftlern, Historikern, Sozial- und Medienwissenschaftlern in Marburg ausgetauscht wurden. Vor allem sein Hauptwerk in Volgare, das Decameron (Zehntagewerk, eine geistreiche Anspielung auf das Hexameron, das Sechstagewerk der Schöpfungsgeschichte), hat die Literatur und Kunst Europas nachhaltig beeinflusst. Geprägt von zwei Kulturen, dem kommunalen Leben der Republik Florenz und der französischen Hofkultur Neapels, gelingt es Boccaccio, zuvor getrennte Welten, antike Philosophie und höfische Liebe, lateinische und volkssprachliche Diskurse zusammenzuführen.
Show Summary Details
Restricted access

Boccaccio in Stein am Rhein

Extract



Vom Wandel im bildlichen Umgang mit literarischen Gegenständen*

I.Einleitung

In der Nordschweizer Stadt Stein am Rhein (Kanton Schaffhausen), dreißig Kilometer westlich von Konstanz, hat der Konstanzer Exulant Siegmund Flaar um 1520 die Fassade seines Hauses am Marktplatz mit literarischen Motiven ausschmücken lassen (Abb. 1). Die an dieser Fassade programmatisch versammelten Themen und Szenen entstammen, abgesehen von den allegorischen Figuren und Personifikationen, die sie begleiten, samt und sonders den kleineren Erzählformen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, wie sie vor allem nun auch im Druck gesammelt und in aktualisierten Fassungen bereitgestellt wurden. Dass dabei auch zwei Novellen aus Boccaccios ‘Decameron’ aufgegriffen wurden, ist, zumindest aus heutiger Sicht, das interessanteste Detail. Zwei Liebesgeschichten mit unterschiedlichem Ausgang sind hier beide Male so pointiert, dass letztlich die Figur des in beiden Erzählungen gegenwärtigen Vogts oder Richters als Repräsentant weiser und politisch kluger Regierung in den Vordergrund rückt. Das Hauptstück der gesamten Komposition ist aber zweifellos die Szene, die diese beiden Darstellungen kompositorisch verbindet und im Übrigen die Themen Liebe und Gerechtigkeit in ganz anderer Weise verknüpft. Hier überlistet nach altem Erzählmuster eine Kaiserin das Wahrheitsorakel des Zauberers Vergil, indem sie sich durch einen falschen Eid in Gegenwart des Kaisers vom Verdacht des Ehebruchs reinigt. Und dieser doppelt getäuschte, untaugliche Herrscher, der sich dem Zauberwerk statt menschlicher Weisheit anvertraut, ist kein anderer als Maximilian!

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.