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Askese als Verhaltensrevolte

Konstanze Caysa

Das Buch stellt eine umfassende Philosophie der Askese dar und befasst sich mit dem Problem der Autoevolution des Menschen. Zugleich enthält es eine Philosophie der Stimmungen und Gefühle. Askese galt einst als Ausstiegsstrategie der Protestanten aus dem Katholizismus. Heute steht sie für eine perfekte Anpassung an den digitalen Kapitalismus, für Geschwindigkeit, Innovation, Flexibilität. Asketen gelten als apollinische Karrieristen, die mit ihrer ständigen Verfügbarkeit den Sozialstaat abschaffen wollen. Der Mensch ist ein Askesewesen, dessen Begierde durch die Sublimierung dionysischer Energie gehemmt wird. De facto ist die heutige Askese eine Art der Verhaltensrevolte gegenüber dem modernen Konsumismus, die auf einer modernen «Ökonomie des Heils» und einer «Ökonomie des Gehorsams» basiert.
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0. Einleitung

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0. Einleitung

Askese galt einst als Ausstiegsstrategie der Protestanten aus dem Katholizismus. Heute gilt sie als perfekte Anpassung an den digitalen Kapitalismus. Askese ist heute Geschwindigkeit, Innovation, Flexibilität.2 Asketen gelten als „apollinische Karrieristen“, die mit ihrer ständigen Verfügbarkeit den Sozialstaat abschaffen wollen. Es gibt Askese nicht ohne Luxus. Genauso wie es Workoholismus nicht ohne Funkultur gibt. Nicht bloß Entsagung, sondern Verschwendung, Luxus charakterisiert die Moderne.

Der Mensch ist ein Askesewesen. Seine dionysischen Antriebe werden durch Apollonisierung bzw. Stilisierung verstetigt. Dazu gehört wesentlich die Sublimierung dionysischer Energie, indem die Begierde gehemmt wird. Der dionysische „Antriebsüberschuss“3 muss durch Askese stilisiert werden. Dadurch wird die dionysische Antriebskraft geformt.

Askese ist „sachliche Sinnlichkeit“4. Askese bedeutet In-Form-Kommen und In-Form-Bleiben. Dafür scheint paradigmatisch der Athlet zu stehen. Als Asket ist der Athlet der homo futurus. Askese erscheint als „Devotio moderna“5. De facto ist sie aber eine Art der Verhaltensrevolte gegenüber dem modernen Konsumismus, die auf einer modernen „Ökonomie des Heils“ und einer „Ökonomie des Gehorsams“6 basiert. Disziplin ist nicht vom Gehorsam zu trennen, Gehorsam schließt ein, auf jemanden zu hören – auf den Lehrer, auf den Trainer. Offensichtlich ist Disziplin nicht von Züchtigungsphantasien zu trennen, die in jeder Art von Training offenbar werden. Aber was ist gegen die Züchtigung der Sinnlichkeit zu sagen in einer entgrenzten hedonistischen Gesellschaft? Der moderne Mensch ist ein homo sportivus. Er vergegenständlicht seine Bewegungsfantasien: „Das Sichvergegenständlichen,...

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