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Askese als Verhaltensrevolte

Konstanze Caysa

Das Buch stellt eine umfassende Philosophie der Askese dar und befasst sich mit dem Problem der Autoevolution des Menschen. Zugleich enthält es eine Philosophie der Stimmungen und Gefühle. Askese galt einst als Ausstiegsstrategie der Protestanten aus dem Katholizismus. Heute steht sie für eine perfekte Anpassung an den digitalen Kapitalismus, für Geschwindigkeit, Innovation, Flexibilität. Asketen gelten als apollinische Karrieristen, die mit ihrer ständigen Verfügbarkeit den Sozialstaat abschaffen wollen. Der Mensch ist ein Askesewesen, dessen Begierde durch die Sublimierung dionysischer Energie gehemmt wird. De facto ist die heutige Askese eine Art der Verhaltensrevolte gegenüber dem modernen Konsumismus, die auf einer modernen «Ökonomie des Heils» und einer «Ökonomie des Gehorsams» basiert.
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1. Autoevolution im Spannungsfeld von Subjekt- und Projektsein

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1. Autoevolution im Spannungsfeld von Subjekt- und Projektsein

Man geht davon aus, dass das menschliche Wesen in seiner Wirklichkeit „das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“ ist und alles gesellschaftliche Leben wesentlich praktisch ist, dann ist es nur konsequent zu behaupten: „Der Mensch ist das handelnde Wesen.“25

Der Mensch als empraktisches Wesen, ist nach einem Nietzsche-Wort, nicht nur „das noch nicht festgestellte Thier“26, sondern auch „ein nie zu vollendendes Imperfectum“27. Denn nach Nietzsche ist der Mensch „kränker, unsicherer, wechselnder, unfestgestellter als irgendein Thier sonst, daran ist kein Zweifel – er ist das kranke Thier: woher kommt das? Sicherlich hat er auch mehr gewagt, geneuert, getrotzt, das Schicksal herausgefordert als alle übrigen Thiere zusammengenommen: er, der grosse Experimentator mit sich, der Unbefriedigte, Ungesättigte, der um die letzte Herrschaft mit Thier, Natur und Göttern ringt, – er, der immer noch Unbezwungne, der ewig Zukünftige, der vor seiner eignen drängenden Kraft keine Ruhe mehr findet, so dass ihm seine Zukunft unerbittlich wie ein Sporn im Fleische jeder Gegenwart wühlt: – wie sollte ein solches muthiges und reiches Thier nicht auch das am meisten gefährdete, das am Längsten und Tiefsten kranke unter allen kranken Thieren sein?“28

Der Mensch ist ein Nicht-Mehr-Seiendes und Noch-Nicht-Seiendes, er ist unfertig und unvollendet; er ist biologisch und kulturell ein Mängelwesen, das lernen muss, seine Mängel zu sublimieren, um zu überleben und das deshalb vor die Aufgabe gestellt ist, mit eigenen...

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