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Askese als Verhaltensrevolte

Konstanze Caysa

Das Buch stellt eine umfassende Philosophie der Askese dar und befasst sich mit dem Problem der Autoevolution des Menschen. Zugleich enthält es eine Philosophie der Stimmungen und Gefühle. Askese galt einst als Ausstiegsstrategie der Protestanten aus dem Katholizismus. Heute steht sie für eine perfekte Anpassung an den digitalen Kapitalismus, für Geschwindigkeit, Innovation, Flexibilität. Asketen gelten als apollinische Karrieristen, die mit ihrer ständigen Verfügbarkeit den Sozialstaat abschaffen wollen. Der Mensch ist ein Askesewesen, dessen Begierde durch die Sublimierung dionysischer Energie gehemmt wird. De facto ist die heutige Askese eine Art der Verhaltensrevolte gegenüber dem modernen Konsumismus, die auf einer modernen «Ökonomie des Heils» und einer «Ökonomie des Gehorsams» basiert.
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3. Autoevolution und Körperkonservatismus

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3. Autoevolution und Körperkonservatismus

Der Körperkonservatismus ist nicht zu trennen vom Körperressentiment. Für Nietzsche ist ein asketisches Leben „ein Selbstwiderspruch: hier herrscht ein Ressentiment sonder Gleichen, das eines ungesättigten Instinktes und Machtwillens, der Herr werden möchte, nicht über Etwas am Leben, sondern über das Leben selbst, über dessen tiefste, stärkste, unterste Bedingungen“74, das mit dem Empraktischen thematisiert werden soll.

Nach Nietzsche ist das Ressentiment schöpferisch und gebiert Werte: „das Ressentiment solcher Wesen, denen die eigentliche Reaktion, die der Tat versagt ist, die sich nur durch eine imaginäre Rache schadlos halten. Während alle vornehme Moral aus einem triumphirenden Ja-sagen zu sich selber herauswächst, sagt die Sklaven-Moral von vorn herein Nein zu einem ‚Ausserhalb‘, zu einem ‚Anders‘, zu einem ‚Nicht-selbst‘: und dies Nein ist ihre schöpferische That.“75

Wie der Mensch des Ressentiment scheint der negative Asket weder aufrichtig noch naiv zu sein: „seine Seele schielt“76: er ist weder mit sich selbst ehrlich noch geradezu, er versteht sich auf das Beobachten, das Warten, um den Angriff zu platzieren; – er ist cool, nachtragend, aufmüpfig, zurückhaltend. Es handelt sich hier um eine „sublime Selbstbetrügerei […], die Schwäche selbst als Freiheit, ihr So- und So-sein als Verdienst auszulegen.“77 Schwäche wird zur Stärke umgelogen.

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