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Askese als Verhaltensrevolte

Konstanze Caysa

Das Buch stellt eine umfassende Philosophie der Askese dar und befasst sich mit dem Problem der Autoevolution des Menschen. Zugleich enthält es eine Philosophie der Stimmungen und Gefühle. Askese galt einst als Ausstiegsstrategie der Protestanten aus dem Katholizismus. Heute steht sie für eine perfekte Anpassung an den digitalen Kapitalismus, für Geschwindigkeit, Innovation, Flexibilität. Asketen gelten als apollinische Karrieristen, die mit ihrer ständigen Verfügbarkeit den Sozialstaat abschaffen wollen. Der Mensch ist ein Askesewesen, dessen Begierde durch die Sublimierung dionysischer Energie gehemmt wird. De facto ist die heutige Askese eine Art der Verhaltensrevolte gegenüber dem modernen Konsumismus, die auf einer modernen «Ökonomie des Heils» und einer «Ökonomie des Gehorsams» basiert.
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6. Einübung in die Autoevolution – Asketismus

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6. Einübung in die Autoevolution – Asketismus

6.1 Askese als Herrschaft und Knechtschaft135

Der Grund von Subjektivität sind existenziale Selbstverhältnisse, die sich im Machtfeld von Herrschaft und Knechtschaft bewegen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Macht nicht einfach als Herrschaft verstanden wird, wie üblich, sondern dass Macht ein Wirkungsfeld ist, das Verfügen über Möglichkeiten, die durch den Leib vermittelt sind. Macht produziert Macht, die es dem Subjekt ermöglicht über die (Fremd-)Herrschaft hinauszugehen. Dieses Über-sich-Hinaus kann auch als Schmerzlust erscheinen, was nicht gleichzusetzen ist mit Sadomasochismus. Es gibt auch einen Schmerzrausch, Schmerzlust.

Unterworfensein kann auch ein Entwurf sein. Die instrumentelle Benutzung des Körpers muss nicht einfach eine „Fleischwerdung“ sein.136 Die Instrumentalisierung des Anderen kann auch Wahrung seines Selbstzweckcharakters bedeuten. Man darf Instrumentalisierung nicht mit Sadismus gleichsetzen wie Sartre. „Der Aufklärer unterschätzt die Bedeutung von Askese und Selbstdisziplinierung, wie sie von einzelnen Personen sozusagen als besondere Kunst entwickelt werden, und das gerade auch im (heimlichen) Interesse einer allgemeinen Entwicklung von Selbstkontrolle und Selbstbestimmung. Wir befreien uns nie von den Abhängigkeiten, welche ein teils ‚natürliches‘, teils ‚gesellschaftliches‘ Streben nach Reichtum, Macht oder Konsum nahelegen, bloß indem wir uns verbal oder nur in Gedanken für frei erklären. Wir müssen diese Unabhängigkeit durchaus durch die Tat beweisen. Wir müssen unsere Freiheiten einüben. Wir müssen zum Beispiel lernen, Begierden und Trieben durch Umformungen zu beherrschen, nicht durch Kampf oder...

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