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Gernika / «Guernica» als Erinnerungsort in der spanischsprachigen Literatur

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Benjamin Inal

Das Buch befasst sich mit der Repräsentation des Erinnerungsortes Gernika in der spanischsprachigen Literatur. Die Bombardierung der baskischen Kleinstadt im Jahre 1937 stellt ein herausragendes Ereignis des Spanischen Bürgerkriegs dar. Für die Künste lässt sich an Pablo Picassos Gemälde Guernica (1937) und dessen Rezeptionsgeschichte ablesen, zu welchem Politikum die Bombardierung mit der Zeit avancierte. Der Autor untersucht erstmalig und umfassend die Repräsentation des Ereignisses in spanischsprachigen Dramen- und Prosatexten. Seine Analysen machen weite kulturgeschichtliche Kontexte zugänglich und illustrieren, inwiefern die Zerstörung Gernikas für die Zeit von 1937 bis heute einen wirkungsvollen Erinnerungsort für baskische, spanische und transnationale Bezugsgruppen darstellt.
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Kapitel 5: Fazit

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Gernika als vieldeutigen Erinnerungsort im Sinne einer kosmopolitischen Erinnerung zu verstehen, ist in der vorliegenden Studie in verschiedener Hinsicht nachvollziehbar und begründbar geworden. Im Theorieteil wurde als Leitprämisse auf die Wechselbeziehungen eingegangen, die sich zwischen der gemeinhin als ‚Wirklichkeit‘ aufgefassten außerliterarischen Welt einerseits und künstlerischen, insbesondere literarischen Artikulationsformen andererseits ergeben. Von besonderem Interesse sind hierbei die – allgemein gesprochen – Möglichkeiten der literarischen Gestaltung und spezifischen ‚Formung‘ von kulturellem Wissen gewesen, wobei der Blick im Speziellen auf literarische Funktionspotentiale in Bezug auf die Hervorbringung von kollektiv geteilten Vergangenheitsversionen gerichtet worden ist. Es hat sich in diesem Zusammenhang gezeigt, dass kulturell relevante und handlungsleitende Deutungen von historischer Vergangenheit als identitär ‚verortet‘ aufzufassen sind. Das heißt, dass die Vergangenheitsversionen aus dem Blickwinkel spezifischer Interessengemeinschaften heraus erwachsen, wie sie auch dazu bestimmt sind, spezifische prospektive Blickwinkel zu generieren, die einer Gruppe anzeigen, wie sich das gemeinschaftliche Projekt entwickeln soll – sei dieses gebunden an eine Konfession, einen Nationalstaat, eine politische Überzeugung oder an andere kollektive Bezugsrahmen. In diesem Kontext ist evident geworden, dass auf Nationalstaatlichkeit zentrierte Fragestellungen zu kurz greifen, da kollektiv geteilte Erinnerungsund folglich Identifikationsprozesse auch auf subnationaler wie auch auf supranationaler Ebene ablaufen. Diesbezüglich hat sich die vorliegende Arbeit wiederholt baskischen, spanisch-nationalstaatlichen und transnationalen Bezugsgruppen – insbesondere der europäischen – zugewandt und aufzuzeigen vermocht, dass nicht von einem Entweder-oder, sondern von einem Sowohl-als-auch ausgegangen werden muss, wenn beispielsweise die gruppenspezifische Bedeutung des Erinnerungsortes Gernika zum Thema wird.

Dieser Einsicht entsprechend ist im erinnerungsgeschichtlichen Teil der...

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