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Der bekannte Fremde

Der Vampir in der Literatur des 19. Jahrhunderts

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Oliver Hepp

Seit ihrer Verschriftlichung im 18. Jahrhundert wird die Figur des Vampirs als fremdartig beschrieben. Ihre dauerhafte Ästhetisierung – von Goethes Die Braut von Corinth bis Bram Stokers Dracula – verhalf der Figur zu einer beispiellosen Karriere, die bei genauerer Betrachtung zwei Dinge offenlegt: So fremd, wie Geschichte und Kunst sie darstellen, ist die Vampirfigur nicht. Anhand theoretischer Ansätze von Giorgio Agamben, Hans Richard Brittnacher und Homi Bhabha arbeitet der Autor den Vampir als bekannten Fremden und somit als Teil des Eigenen heraus.
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5. Abwesende Väter, gastverwandte Gäste und drei Fremde – Goethes „vampyristisches“ Gedicht Die Braut von Corinth (1797)

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5. Abwesende Väter, gastverwandte Gäste und drei Fremde – Goethes „vampyristisches“198 Gedicht Die Braut von Corinth (1797)

„Bin ich, rief sie aus, so fremd im Hause, Daß ich von dem Gaste nichts vernahm?“199

„Länger hält die Mutter nicht das Zürnen, Öffnet das bekannte Schloß geschwind“200

5.1 Die ambivalente Rezeption der Zeitgenossen

Die Rezeptionsgeschichte dient in vielen Forschungstexten einer ersten Annäherung an die Ballade. Dabei ergibt sich eine Diskrepanz zwischen der Aufnahme des Textes und seiner Bedeutung. Vor allem die Zeitgenossen Goethes eröffneten ihre Irritationen in Bezug auf das Gedicht über eine Wiedergängerin, die zum Vollzug eines geschlechtlichen Aktes dem Grabe entsteigt. Eine solche Thematik wollte aus ihrer Perspektive nicht so recht zum restlichen Schaffen des Dichters passen.201 Stellvertretend hält Böttiger in einem Brief an Matthison vom 18.10.1797 die ambivalente Haltung zur Braut in Goethes direktem historischen Umfeld treffend fest: „Während die eine Partei sie die ekelhafteste Bordellszene nennt und die Entweihung des Christentums hoch aufnimmt, nennen andere sie das vollendetste aller kleinen Kunstwerke Goethes.“202 Schillers Relativierung des skandalösen Textes, immerhin ein Beitrag zum sogenannten Balladenjahr ← 103 | 104 → der beiden Dichter und in der gemeinsamen Zeitschrift Die Horen erschienen, folgt nur knapp ein Jahr später. Körner ist der Adressat: „(…) im Grunde war es nur ein Spaß von Göthe einmal etwas zu dichten, was ausser seiner Neigung und Natur liegt.“203

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