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Die Eickstedt-Sammlung aus Südindien

Differenzierte Wahrnehmungen kolonialer Fotografien und Objekte

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Katja Müller

Das Buch nimmt die Eickstedt-Sammlung aus Südindien zum Ausgangspunkt und verbindet ethnologische Forschung im Museum mit postkolonialer Kritik an der Aneignung von Objekten und Fotografien. Dabei vermittelt die Sammlung als ethnohistorische Quellen ein Bild der Gesellschaft Südindiens in den 1920er-Jahren. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach «anderen» Wahrnehmungen: Wer stand mit welcher Intension hinter der Kamera? Und wie interpretiert man die Fotografien und Objekte im heutigen Südindien? Katja Müller stellt verschiedene Narrative aus Indien und Deutschland nebeneinander und macht damit deutlich, welche theoretischen Zusammenhänge und praktischen Machtstrukturen zwischen Objekten, Fotografien und menschlichen Akteuren damals wie heute bestehen.
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1. Die Welt der Dinge

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Diese Gegenstände werden gebraucht und nicht verbraucht, das Brauchen braucht sie nicht auf; ihre Haltbarkeit verleiht der Welt als dem Gebilde von Menschenhand die Dauerhaftigkeit und Beständigkeit, ohne die sich das sterblich-unbeständige Wesen der Menschen auf der Erde nicht einzurichten wüßte; sie sind die eigentlich menschliche Heimat des Menschen. (Arendt 1992: 124)

Wir sind umgeben von Dingen. Immer und überall treffen wir auf Gegenstände, auf materielle Ausdehnungen im Raum, die wir wahrnehmen und mit denen wir umgehen. Ein Hinterfragen geschieht im Alltag kaum. Wir sehen einen Gegenstand und nehmen seine Ausmaße wahr, seine Struktur und Beschaffenheit, das, was auch als die sekundären Eigenschaften eines Gegenstandes bezeichnet wird. Ohne es zu bemerken, beinahe automatisch, benennen wir den Genens idealtypischer Weise vom niederen Erkennen desgenstand, ordnen ihm Kategorien zu und individualisieren ihn innerhalb dieser. Der Gegenstand bekommt eine Bezeichnung und wird einer Idee zugeordnet. Bereits Platon veranschaulichte dieses Vorgehen vom Erkennen des Gegenstandes und der Idee desselben im Höhlengleichnis. Man bewegt sich während des Erken-nens idealtypischer Weise vom niederen Erkennen des Gegenstandes, der ein Abbild, ein Schatten ist, zur Idee desselben, die das eigentliche Wesen ausmacht. Das Nicht-Physische, Nicht-Gegenständliche erhält einen höheren Stellenwert als das Ding in seiner Materialität. Diese Hierarchie wurde auch in der Ethnologie lange Zeit als gegeben angenommen, und man war bestrebt, das hinter den Gegenständen liegende Wesen, ihre Idee, zu erfassen, sich möglichst von der Materialität zu lösen und...

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