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Die Eickstedt-Sammlung aus Südindien

Differenzierte Wahrnehmungen kolonialer Fotografien und Objekte

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Katja Müller

Das Buch nimmt die Eickstedt-Sammlung aus Südindien zum Ausgangspunkt und verbindet ethnologische Forschung im Museum mit postkolonialer Kritik an der Aneignung von Objekten und Fotografien. Dabei vermittelt die Sammlung als ethnohistorische Quellen ein Bild der Gesellschaft Südindiens in den 1920er-Jahren. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach «anderen» Wahrnehmungen: Wer stand mit welcher Intension hinter der Kamera? Und wie interpretiert man die Fotografien und Objekte im heutigen Südindien? Katja Müller stellt verschiedene Narrative aus Indien und Deutschland nebeneinander und macht damit deutlich, welche theoretischen Zusammenhänge und praktischen Machtstrukturen zwischen Objekten, Fotografien und menschlichen Akteuren damals wie heute bestehen.
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2. Ein Bild von der Realität

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Dabei sagt die Art der Beobachtung und Bestandsaufnahme im Bilde gemeinhin mehr über den Standort der Ethnologie als über den der Photographierten aus. (Wiener 1990: 105).

Da sich die Arbeit mit einer Sammlung aus Objekten und Fotografien auseinandersetzt‚ ist im Anschluss an die Auseinandersetzung mit Objekten eine solche mit Fotografie(n) indiziert. Während Fotografien ebenso Objekte sind und die getroffenen Aussagen zu Objekten auf sie gleichermaßen zutreffen‚ gilt es die Besonderheiten der Fotografien zu erörtern‚ bevor ich mich ihrer Analyse und Interpretation am konkreten Beispiel widme.

Fotografie ist ein Verfahren der Bildherstellung‚ welches die Lichtempfindlichkeit eines Mediums ausnutzt. Der 1839 von Johann Heinrich von Mädler erstmals verwendete Begriff der „Photographie“ bedeutet dementsprechend auch „eichnen‚ Malen‚ Ritzen von Licht‚ Helligkeit“. Als die ersten erfolgreichen Versuche der Fotografie werden die asphaltbeschichteten Platten von Joseph Nicéphore Niépce bezeichnet‚ die im Jahr 1826 nach achtstündiger Belichtungszeit eine Ansicht wiedergeben konnten (Baatz 2004: 10). Als offizielles Geburtsjahr der Fotografie gilt das Jahr 1839‚ in welchem von Louis Jacques Mandé Daguerre (der mit Niepce zusammenarbeitete) das System der Daguerreotypie in Frankreich vorgestellt wurde (Brauchitsch 2002: 22f.). Die Daguerreotypie basiert auf der Reaktion von Silber‚ Jod und Licht und ermöglicht es‚ eine Ansicht permanent auf Platten zu fixieren. Eine anfängliche Belichtungsdauer von acht bis fünfzehn Minuten wurde durch die Weiterentwicklung der Lichtstärke der Linsen und der chemischen Verfahren26 auf weniger als eine Minute reduziert. Die Daguer- reotypie wies bereits bei ihrer Einf...

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