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Österreichische und ukrainische Literatur und Kunst

Kontakte und Kontexte in Moderne und Avantgarde

Series:

Vera Faber, Dmytro Horbachov and Johann Sonnleitner

Der Band widmet sich den Wechselbeziehungen, Wechselwirkungen, aber auch Analogien und auffälligen Divergenzen zwischen Kunst, Literatur und Wissenschaft im Wien der Jahrhundertwende sowie in der ukrainischen Moderne und Avantgarde. Die kulturellen Beziehungen zwischen der Ukraine und Österreich werden gerade nach 1918 immer spärlicher, dennoch scheint es lehrreich, die Affinitäten und Kontraste zwischen den zunehmend auseinanderdriftenden kulturellen Räumen zu beschreiben und zu beobachten. Der Band macht zudem viele beeindruckende ukrainische Forschungsleistungen erstmals in deutscher Sprache zugänglich. Überdies enthält er umfangreiches Bildmaterial zur ukrainischen literarischen und bildkünstlerischen Avantgarde sowie zum futuristischen und konstruktivistischen Bühnenbild.
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Konzept und Wirklichkeit – Frauen in der Wiener Moderne und in der ukrainischen Avantgarde

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Die Wende zum 20. Jahrhundert stellte auch einen gesellschaftlichen Umbruch dar, im Zuge dessen – gemeinsam mit neuen Wegen für die Kunst – auch nach neuen Definitionen für tradierte Geschlechterrollen gesucht wurde. Während die aus dem Umfeld eines konservativen Bildungsbürgertums hervorgegangene Wiener Moderne einerseits zwar von einer „Verniedlichung“ der Frau und der gleichzeitigen „Feminisierung“ des Mannes geprägt war, erweist sich die Anzahl der aktiv am künstlerischen Leben teilhabenden Frauen dennoch als überraschend hoch. Eine neue Partizipation der Frau zeigte sich im Bereich der „schönen“, also bildenden Kunst sowie der „schöngeistigen“ Literatur. Gleichzeitig fanden Frauen aber erstmals auch andere Möglichkeiten der Betätigung vor, etwa in der Literaturkritik. Zudem waren Frauen in der Wiener Moderne auch im Bereich der angewandten Kunst, nicht zuletzt in den „Wiener Werkstätten“, zahlreich vertreten.

Der endgültige Bruch vom 19. zum 20. Jahrhundert und die damit einhergehende Neuausrichtung der Kunst hat sich jedoch erst innerhalb der Avantgarde vollzogen, und vor allem in Bezug auf die Forderungen nach einer Gleichstellung der Frau nahm die sowjetische Avantgarde zweifellos auch im gesamteuropäischen Kontext eine Vorreiterrolle ein. Dennoch wird innerhalb der ukrainischen Avantgarde ein – jenem der Wiener Moderne diametral entgegengesetzter – Widerspruch evident, da die Gleichberechtigung zwar auf theoretischer Ebene proklamiert, in der Praxis jedoch nicht oder nur marginal umgesetzt wurde. Während sich für die bildende Kunst zwar einige wichtige und international relevante Protagonistinnen wie etwa Alexandra Exter [Oleksandra Ekster1] nennen lassen, blieb im Gegensatz dazu...

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