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Österreichische und ukrainische Literatur und Kunst

Kontakte und Kontexte in Moderne und Avantgarde

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Edited By Vera Faber, Dmytro Horbachov and Johann Sonnleitner

Der Band widmet sich den Wechselbeziehungen, Wechselwirkungen, aber auch Analogien und auffälligen Divergenzen zwischen Kunst, Literatur und Wissenschaft im Wien der Jahrhundertwende sowie in der ukrainischen Moderne und Avantgarde. Die kulturellen Beziehungen zwischen der Ukraine und Österreich werden gerade nach 1918 immer spärlicher, dennoch scheint es lehrreich, die Affinitäten und Kontraste zwischen den zunehmend auseinanderdriftenden kulturellen Räumen zu beschreiben und zu beobachten. Der Band macht zudem viele beeindruckende ukrainische Forschungsleistungen erstmals in deutscher Sprache zugänglich. Überdies enthält er umfangreiches Bildmaterial zur ukrainischen literarischen und bildkünstlerischen Avantgarde sowie zum futuristischen und konstruktivistischen Bühnenbild.
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Les’ Kurbas – Wien – und weiter...

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Pavel Florenskij hat einmal gesagt: „Wenn es die ‚Dreifaltigkeits-Ikone‘ von Andrej Rublëv geben kann, dann gibt es auch einen Gott“1 – ich habe mir erlaubt, den berühmten Gelehrten und Theologen zu paraphrasieren: „Wenn es Les’ Kurbas gibt, dann gibt es auch ein ukrainisches Theater. Dann gibt es eine Ukraine.“

Kurbas war ein begnadeter Kulturschaffender und Theaterkünstler. Er war ein Mensch, dem das Unmögliche gelang, indem er nach Jahrhunderten des Verbots der ukrainischen Sprache, ukrainischer Ideen sowie der ukrainischen Kunst durch das Zaristische Imperium ein großes, modernes Theater erschuf, das europäisch und ukrainisch zugleich war und das den gesamten künstlerischen Kontext der Ukraine reformierte. Dabei orientierte er sich an internationalen künstlerischen und geistigen Werten und Ideen. Alles begann am kaiserlich-königlichen Franz-Josephs-Gymnasium in Ternopil’, nach dessen Abschluss Kurbas nach Wien an die Universität ging.

Les’ Kurbas kam Anfang Oktober 1907 nach Wien, wo er in seinem ersten Semester als ordentlicher Hörer an der philosophischen Fakultät immatrikulierte. Zu seinen Fächern zählte die deutsche Romantik (gehalten von Jakob Minor, der auch theaterwissenschaftliche Aufsätze schrieb und die Aufführungen am Burgtheater rezensierte, was für Kurbas ungemein wichtig war), daneben auch die Geschichte der älteren deutschen Literatur (Joseph Seemüller), die historische Grammatik der deutschen Sprache (Max Jellinek); die Interpretation des „Evangelienbuchs“ von Ottfried von Weißenburg (derselbe); ein Proseminar zur deutschen Philologie (derselbe) sowie eine Vorlesung zur russischen Literatur (Milan Rešetar). Im...

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