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Karl Otmar von Aretin

Historiker und Zeitgenosse

Christof Dipper and Jens Ivo Engels

Im Rahmen einer eintägigen Konferenz an der TU Darmstadt, deren Beiträge in diesem Band wiedergegeben sind, hat das Institut für Geschichte das Lebenswerk seines Gründers Karl Otmar Freiherr von Aretin in seinem ganzen Umfang ausgelotet. Der im März 2014 verstorbene Historiker war zweifellos das prominenteste Mitglied des Instituts. Die Zahl seiner nationalen und internationalen Ehrungen, seine Doppelrolle als Professor in Darmstadt und Direktor der Universalgeschichtlichen Abteilung des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, seine Funktionen namentlich innerhalb der Organisationen der Geschichtswissenschaft und nicht zuletzt seine enorme Publikationsliste zeigen das eindrücklich.
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Christof Dipper - Der Zeithistoriker Aretin oder: Wer war Aretin bei seiner Berufung 1964?

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Christof Dipper

Der Zeithistoriker Aretin oder: Wer war Aretin bei seiner Berufung 1964?

Zeitgeschichte als historische Teildisziplin hat ihre Rolle für das Fach als Ganzes und erst recht für die Öffentlichkeit in den letzten Jahrzehnten von Grund auf geändert. Heute befasst sich die Mehrheit der Historiker mit Zeitgeschichte, wenn wir sie mit 1945, und erst recht, wenn wir sie mit 1917 beginnen lassen, wie es der (angebliche) Ahnherr dieser Teildisziplin, Hans Rothfels, 1953 vorgeschlagen hat. Hochangesehene Kollegen unseres Faches haben niemals eine Zeile zu einem Thema vor 1945 publiziert und große, die Zunft oder gar das gebildete Publikum erfassende Kontroversen gibt es seit dem Streit um die Wehrmachtausstellung Anfang der 1990er Jahre nicht mehr. Zeitgeschichte ist mittlerweile selbstverständlicher Bestandteil des wissenschaftlichen Alltags und alles andere als ein Reizthema.1

Als Karl Otmar von Aretin 1964 an die Technische Hochschule (TH) Darmstadt berufen wurde, war dies noch vollkommen anders – und erst recht, als er sich zehn Jahre früher mit der Herausgabe der Memoiren seines Vaters erstmals an die Öffentlichkeit gewagt hatte.2 Damals erwarb man sich mit Zeitgeschichte, die ja ausschließlich mit der Weimarer Republik und dem ‚Dritten Reich‘ zu tun hatte, also mit Verlustgeschichten unterschiedlich katastrophalen Ausmaßes, nicht unbedingt Meriten − jedenfalls dann nicht, wenn man nicht in den Klagechor derer mit einstimmte, die vom Unfassbaren, vom Deutschland zugestoßenen Verhängnis, vom unheilvollen Ende der Nation als Folge von Kapitulation und Teilung sprachen und ihr...

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