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Karl Otmar von Aretin

Historiker und Zeitgenosse

Christof Dipper and Jens Ivo Engels

Im Rahmen einer eintägigen Konferenz an der TU Darmstadt, deren Beiträge in diesem Band wiedergegeben sind, hat das Institut für Geschichte das Lebenswerk seines Gründers Karl Otmar Freiherr von Aretin in seinem ganzen Umfang ausgelotet. Der im März 2014 verstorbene Historiker war zweifellos das prominenteste Mitglied des Instituts. Die Zahl seiner nationalen und internationalen Ehrungen, seine Doppelrolle als Professor in Darmstadt und Direktor der Universalgeschichtlichen Abteilung des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, seine Funktionen namentlich innerhalb der Organisationen der Geschichtswissenschaft und nicht zuletzt seine enorme Publikationsliste zeigen das eindrücklich.
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Kristof Lukitsch - ,Braune Anfänge‘: Die Darmstädter Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit

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Kristof Lukitsch

,Braune Anfänge‘: Die Darmstädter Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit1

In der Rückschau erscheint die schnelle Wiedereröffnung der Technischen Hochschule (TH) Darmstadt am 17. Januar 1946 geradezu unwahrscheinlich. Nur eineinhalb Jahre waren damals seit der weitgehenden Zerstörung der baulichen und administrativen Infrastruktur durch den Bombenangriff in der Nacht des 11. September 1944 vergangen. Bei näherer Betrachtung allerdings offenbart sich ein sehr reduziertes, auf das Angebot tagesaktuell gefragter Studienmöglichkeiten begrenztes Veranstaltungsprogramm. Auch das Studienfach Geschichte scheint dieser restriktiven Politik zum Opfer gefallen zu sein. Tatsächlich aber waren die letzten einschlägigen Veranstaltungen schon im Studienjahr 1940–41 angeboten worden.2 Von einer festen Institutionalisierung der geschichtswissenschaftlichen Lehre konnte aber auch schon damals keine Rede mehr sein, denn mit der altersbedingten Entpflichtung Arnold Bergers hatte die Hochschule bereits 1933 ihre einzige Professur für Geschichte verloren.3 Zumindest personell hatte das Jahr 1945 für die Geschichtslehre an der TH also keine Bedeutung: Weder bestand die Notwendigkeit, sich von belasteten Historikern zu trennen, noch musste die TH für etwaige Publikationen oder Dissertationen die moralische Verantwortung übernehmen. Umso erstaunlicher erscheint es daher, dass im Rahmen der ← 149 | 150 → Neuformierung der Geschichtslehre ab den frühen 1950er Jahren nicht die Gelegenheit genutzt wurde, sich nun mittels personalpolitischer Entscheidungen auch aktiv vom Geist des Nationalsozialismus zu distanzieren. Das Gegenteil war der Fall: Mit Walther Kienast, Hellmut Rößler und Wilhelm Schüßler fanden drei Historiker Anstellung, die alle mehr oder weniger stark...

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