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Kulturkritik zwischen Deutschland und Frankreich (1890–1933)

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Edited By Olivier Agard and Barbara Beßlich

Kulturkritik ist oft als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben worden. Seit Sterns Studie über «Kulturpessimismus als politische Gefahr» war das Augenmerk vermehrt auf die Nähe zum Nationalismus gerichtet. Seitdem verblieb die deutsche Kulturkritik im Generalverdacht teleologischer Verbindung zum Nationalsozialismus und wurde oft mit überspannter nationalistischer Ideologie gleichgesetzt. Jedoch lässt sich die Entwicklung der Kulturkritik auch als eine Kontaktgeschichte zwischen den Nationen perspektivieren. Dass Kulturkritik nicht nur ein Produkt nationaler Eigenbrötelei ist, sondern sich diverse kulturkritische Strömungen in Deutschland gerade in der Auseinandersetzung mit französischen Entwicklungen herausgebildet haben, ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes.
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Mit Arnold Böcklin und Hans Thoma gegen Frankreich Kunstkritik als Kulturkritik in Henry Thodes Heidelberger Vorlesungen (1905)

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Bernhard Walcher

Mit Arnold Böcklin und Hans Thoma gegen Frankreich Kunstkritik als Kulturkritik in Henry Thodes Heidelberger Vorlesungen (1905)

Henry Thodes Montags-Vorlesungen über Arnold Böcklin und Hans Thoma waren ein großer Publikumserfolg, nicht zuletzt aufgrund von Thodes vielfach bezeugtem Redetalent.1 Für damalige Verhältnisse weisen Thodes übrige Lehrveranstaltungen mit durchschnittlich 40 bis 70 angemeldeten Studenten eine beachtliche Hörerzahl auf. Seit der populären Michelangelo-Vorlesung im Sommersemester 1904 waren Thodes Montags-Vorlesungen legendär und teilweise von bis zu 400 Zuhörern besucht.2 Die an der Universität Heidelberg im Sommersemester 1905 – genauer: im Juni und Juli – gehaltenen Vorlesungen wurden im November desselben Jahres im Heidelberger Carl Winter Verlag unter dem Titel Böcklin und Thoma. Acht Vorträge über Neudeutsche Malerei gedruckt.3 Die gehaltenen und gedruckten Vorlesungen richten sich, wie es im Untertitel heißt, an ein „Gesamtpublikum“. Das erklärt einerseits den für die damalige akademische Praxis ungewöhnlichen, wöchentlichen (Montags-)Termin. Andererseits spiegelt sich diese Ausrichtung auf ein größeres, auch Heidelberger Bürger umfassendes Publikum in den doch recht allgemein gehaltenen Fragestellungen der Vorlesungen wider, deren rhetorische Darbietung stark von einer teils radikal-nationalistischen, gemeinschaftsstiftenden Wirkabsicht geprägt ist. Zusätzlich gefördert wurde die ← 259 | 260 → Attraktivität der Veranstaltung durch eine von Thode initiierte Ausstellung ausgewählter Werke Böcklins und Thomas im Heidelberger Kunstverein ab dem 1. Juli 1905, was Thode zu Beginn seiner zweiten Vorlesung (Was ist deutsch?) ankündigte.4...

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