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Kulturkritik zwischen Deutschland und Frankreich (1890–1933)

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Olivier Agard and Barbara Beßlich

Kulturkritik ist oft als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben worden. Seit Sterns Studie über «Kulturpessimismus als politische Gefahr» war das Augenmerk vermehrt auf die Nähe zum Nationalismus gerichtet. Seitdem verblieb die deutsche Kulturkritik im Generalverdacht teleologischer Verbindung zum Nationalsozialismus und wurde oft mit überspannter nationalistischer Ideologie gleichgesetzt. Jedoch lässt sich die Entwicklung der Kulturkritik auch als eine Kontaktgeschichte zwischen den Nationen perspektivieren. Dass Kulturkritik nicht nur ein Produkt nationaler Eigenbrötelei ist, sondern sich diverse kulturkritische Strömungen in Deutschland gerade in der Auseinandersetzung mit französischen Entwicklungen herausgebildet haben, ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes.
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Martin Bubers und Franz Rosenzweigs Bibelübersetzung in kulturkritischer Hinsicht

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Wer an eine deutsche Bibel denkt, denkt meistens sofort an die Lutherbibel. Die epochemachende Bibelübersetzung aus dem 16. Jahrhundert hat nämlich die deutsche Sprache und Geschichte dermaßen beeinflusst, dass jede andere Version als geschichtlich unbedeutend scheinen könnte. Und doch hat es viele andere Übersetzungen der Bibel ins Deutsche gegeben, vor und nach Luther. Allein für das 19. Jahrhundert kann man unter anderen die Zunz Bibel1, die Philippson Bibel2 und die Kautzsch3 Bibel erwähnen. Alle Konfessionen haben sich daran versucht: Katholiken, Protestanten, Juden.

Doch wenn heute die damals als besonders wissenschaftlich geltende Kautzsch Bibel kaum zu finden ist, genauso wie die in den Augen Bubers so ärgerlichen Psalmenübersetzungen des Rabbiners Michael Sachs4, scheint das kühne Werk von Martin Buber und Franz Rosenzweig es geschafft zu haben, sich seinen Weg durch die Geschichte und bis zum heutigen Tag zu bahnen, nicht zuletzt wegen des Ruhms beider Verfasser dieser Übersetzung, ihrer zentralen Lage in der Bewegung der jüdischen Renaissance der 1920er Jahre und des bei ihrer Erstveröffentlichung ausgelösten Skandals, aber auch wegen der Besonderheit dieses Textes und seiner literarischen Qualität. In der Tat, wenn die oben genannten Übersetzer, durch die moderne Bibelkritik angeregt, sich darauf beschränkt hatten, philologisch korrekte, so präzise wie poesielose Texte zu liefern5, hatten Buber und Rosenzweig mit ihrer Bibel nichts weniger vor, als die durch das moderne ← 343 | 344 → Zeitalter hervorgerufene Entfremdung des Volks Gottes gegenüber seinem Gott zu bek...

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