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Kulturkritik zwischen Deutschland und Frankreich (1890–1933)

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Olivier Agard and Barbara Beßlich

Kulturkritik ist oft als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben worden. Seit Sterns Studie über «Kulturpessimismus als politische Gefahr» war das Augenmerk vermehrt auf die Nähe zum Nationalismus gerichtet. Seitdem verblieb die deutsche Kulturkritik im Generalverdacht teleologischer Verbindung zum Nationalsozialismus und wurde oft mit überspannter nationalistischer Ideologie gleichgesetzt. Jedoch lässt sich die Entwicklung der Kulturkritik auch als eine Kontaktgeschichte zwischen den Nationen perspektivieren. Dass Kulturkritik nicht nur ein Produkt nationaler Eigenbrötelei ist, sondern sich diverse kulturkritische Strömungen in Deutschland gerade in der Auseinandersetzung mit französischen Entwicklungen herausgebildet haben, ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes.
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Schmitt und Pascal Das Herz und die Entscheidung

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1.

Kommentatoren bringen oft das Denken von Schmitt mit dem von Hobbes und Hegel in Verbindung. Damit verglichen bleibt die Verbindung mit Pascal die Ausnahme.1 Das ist verständlich: Schmitt hat praktisch nichts über Pascal geschrieben. Dennoch zeigt die „Akte Pascal“ im Carl Schmitt–Archiv (Hauptstaatsarchiv Düsseldorf), dass der rheinländische Jurist ein eifriger Leser des französischen Philosophen war. Seine Papiere scheinen darauf hinzuweisen, dass er sein Denken in dem von Pascal wiedererkannte. Aber über die Spuren seiner Lektüre Pascals, die uns die Archive liefern und über die Frage des reellen Einflusses hinaus, ist das „Gedankenexperiment“, das darin besteht, Schmitt und Pascal in Verbindung zu setzen, instruktiv. Es erlaubt nämlich, der Diskussion über die Einheit des Schmitt’schen Denkens (oder dem Fehlen einer solchen Einheit) neue Nahrung zu geben, einer immer noch aktuellen Diskussion, die man auf die Interpretationstradition der deutschen Linken zurückverfolgen kann, die ab den 30-er Jahren (Herbert Marcuse, Karl Löwith, Ernst Bloch, Georg Lukács) unmittelbar auf den schockierenden Anschluss des Juristen an den Nationalsozialismus reagierte und bei Schmitt ein prinzipienloses, irrationalistisches und opportunistischen Denken ausmachte. In dieser Perspektive setzt sich jeder Versuch, die Texte Schmitts mit welcher Philosophie auch immer in Verbindung zu bringen, dem Verdacht der Apologie aus. Überschätzt man nicht die theoretische Kohärenz des Schmitt’schen Denkens, wenn man ihn, der Jurist aber auch Ideologe war, von bestimmten „großen Philosophien“ aus beleuchten möchte? Ihn, der bestenfalls dilettantisch an Philosophie heranging?

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