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Kulturkritik zwischen Deutschland und Frankreich (1890–1933)

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Edited By Olivier Agard and Barbara Beßlich

Kulturkritik ist oft als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben worden. Seit Sterns Studie über «Kulturpessimismus als politische Gefahr» war das Augenmerk vermehrt auf die Nähe zum Nationalismus gerichtet. Seitdem verblieb die deutsche Kulturkritik im Generalverdacht teleologischer Verbindung zum Nationalsozialismus und wurde oft mit überspannter nationalistischer Ideologie gleichgesetzt. Jedoch lässt sich die Entwicklung der Kulturkritik auch als eine Kontaktgeschichte zwischen den Nationen perspektivieren. Dass Kulturkritik nicht nur ein Produkt nationaler Eigenbrötelei ist, sondern sich diverse kulturkritische Strömungen in Deutschland gerade in der Auseinandersetzung mit französischen Entwicklungen herausgebildet haben, ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes.
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„Die Neger erobern Europa“ Primitivismus und Kulturkritik in der urbanen Moderne

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Das Interesse des Beitrags gilt dem Zusammenhang von Exotismus bzw. Primitivismus und Kulturkritik in der Moderne. Zeigen möchte ich einerseits, dass es sich hierbei um ein ergiebiges Forschungsfeld handelt, andererseits aber auch die Schwierigkeiten andeuten, auf die man stößt, wenn man Kulturkritik, Primitivismus und Moderne aufeinander bezieht. Da die an den Exotismus geknüpften kulturkritischen Reflexionen sich von schwankender analytischer Schärfe und unterschiedlicher Reichweite zeigen, sieht man sich fast notwendig auf das Konzept der Kulturkritik zurückverwiesen und auf die Frage, wie eng oder weit man es fassen möchte.1

Ich beginne mit grundsätzlichen Überlegungen zum historischen Zusammenhang von Exotismus und Kulturkritik. Das eigentliche Interesse gilt dann dem Verhältnis von Primitivismus und Kulturkritik im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, einer Phase, in der die kulturelle Auseinandersetzung mit dem Exotisch-Fremden einem signifikanten Wandel unterworfen ist. Zu erkennen ist dies daran, dass das Exotische nicht mehr bloß als kulturelle Kontrastfolie wahrgenommen wird, sondern moderne Künstler in neuartiger Weise versuchen, aus ihm Orientierung für ihr eigenes Schaffen abzuleiten. Die Frage nach der Leistung und der Reichweite des Exotismus als eines kulturkritischen Denkmusters stellt sich daher für die Moderne neu. Am Beispiel der Debatte um die populären Revues Negres der zwanziger Jahre möchte ich darstellen, wie neuartige Verschränkungen von urbaner Moderne und Konzepten des Exotisch-Primitiven neue Brechungen im modernekritischen Diskurs erzeugen. ← 75 | 76 →

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