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Kulturkritik zwischen Deutschland und Frankreich (1890–1933)

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Olivier Agard and Barbara Beßlich

Kulturkritik ist oft als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben worden. Seit Sterns Studie über «Kulturpessimismus als politische Gefahr» war das Augenmerk vermehrt auf die Nähe zum Nationalismus gerichtet. Seitdem verblieb die deutsche Kulturkritik im Generalverdacht teleologischer Verbindung zum Nationalsozialismus und wurde oft mit überspannter nationalistischer Ideologie gleichgesetzt. Jedoch lässt sich die Entwicklung der Kulturkritik auch als eine Kontaktgeschichte zwischen den Nationen perspektivieren. Dass Kulturkritik nicht nur ein Produkt nationaler Eigenbrötelei ist, sondern sich diverse kulturkritische Strömungen in Deutschland gerade in der Auseinandersetzung mit französischen Entwicklungen herausgebildet haben, ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes.
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Einleitung

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Kulturkritik ist in der Forschung immer wieder als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben worden. Seit Fritz Sterns Pionierstudie über Kulturpessimismus als politische Gefahr war das Augenmerk vermehrt auf die Nähe von Kulturkritik und Nationalismus im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gerichtet.1 Stern portraitierte Paul de Lagarde, Julius Langbehn und Arthur Moeller van den Bruck als Exponenten einer extremen, schon früh mit dem Völkischen sympathisierenden Kulturkritik. Seitdem verblieb die deutsche Kulturkritik im Generalverdacht teleologischer Nähe zum Nationalsozialismus und wurde oft allzu schnell mit überspannter nationalistischer Ideologie gleichgesetzt. Auch Georg Bollenbecks Referenzwerk zur Kulturkritik setzt zwar mit Rousseau als erstem europäischen Kulturkritiker ein, aber erzählt im Folgenden die Geschichte der Kulturkritik als eine vornehmlich deutsche Angelegenheit.2 Dabei lässt sich die Geschichte der Kulturkritik auch als eine Kontaktgeschichte zwischen den Nationen perspektivieren. Dass Kulturkritik nicht nur ein Produkt nationaler Eigenbrötelei oder gar eines deutschen Sonderwegs ist, sondern dass sich manche kulturkritische Strömung in Deutschland gerade auch im internationalen Kontext und in der Auseinandersetzung mit französischen Entwicklungen herausbildet, ist der Ausgangspunkt eines Forschungsprojekts gewesen, das von der Université Paris Sorbonne und der Ruprecht Karls-Universität Heidelberg initiiert wurde.3 Dabei konnten wir anknüpfen an ein Projekt über Linke und rechte Kulturkritik, das in Paris bereits einige Jahre zuvor die kulturkritischen Debatten des 20. Jahrhunderts als ein interdiskursives Phänomen zwischen den politischen Fronten betrachtet hatte.4

Zwar ist das Wort Kulturkritik selbst ein „unübersetzbares“, weshalb man...

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