Show Less
Restricted access

Kriegstaumel und Pazifismus

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg

Series:

Hans Richard Brittnacher and Irmela von der Lühe

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde von der überwiegenden Zahl der deutschen Intellektuellen und Schriftsteller emphatisch begrüßt – auch von den deutschen Juden, die im Kampf fürs Vaterland eine Möglichkeit sahen, ihren Patriotismus und ihre gelungene Assimilation unter Beweis zu stellen. Diese Ansicht hat lange die Forschung dominiert. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge überprüfen aus interdisziplinärer Sicht diese These und gelangen bei der Lektüre und Analyse von Schriften, Briefen, Dichtungen und Dokumenten tonangebender jüdischer Intellektueller zu einem komplexeren Befund, der zwischen Kriegsbegeisterung und -skepsis, Duldung und Protest oszilliert.
Show Summary Details
Restricted access

Barbara Beßlich (Heidelberg) - Der Sommer 1914 in Felix Saltens Kriegspublizistik und in seiner Leutnantsnovelle Abschied im Sturm (1915)

Extract

| 17 →

Barbara Beßlich (Heidelberg)

Der Sommer 1914 in Felix Saltens Kriegspublizistik und in seiner Leutnantsnovelle Abschied im Sturm (1915)

Als die Donaumonarchie am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg erklärte, war Felix Salten (1869–1945) ein erfolgreicher 44-jähriger Journalist, der sich in den Jahren zuvor einen enormen sozialen Aufstieg erarbeitet hatte. Während der Sohn eines verarmten ungarischen jüdischen Ingenieurs in den 1890er Jahren noch gegenüber seinen großbürgerlichen Wiener Freunden Schnitzler und Hofmannsthal oft finanziell in die Bredouille geraten war, hatte er sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts bewiesen, dass er sich mit dem Journalismus einen aufwendigen Lebensstil finanzieren konnte. Salten schrieb für die Wiener Neue Freie Presse und den Pester Lloyd, die deutschsprachige Zeitung Budapests.1 Während des Ersten Weltkriegs avancierte er als verantwortlicher Redakteur zum eigentlichen Chef der Zeitung des österreichischen Außenministeriums, dem Fremdenblatt, das er maßgeblich mitgestaltete. Salten begleitete aber nicht nur innerhalb der k.u.k. Doppelmonarchie das Kriegsgeschehen journalistisch, sondern er publizierte auch immer wieder als Korrespondent in reichsdeutschen Zeitungen. Im Berliner Tageblatt berichtete er den Deutschen am 27. Juli 1914 von der Stimmung am Entscheidungstag in Wien, als das österreichisch-ungarische Ultimatum gegenüber Serbien ablief.2

Dass ausgerechnet Salten die Aufgabe zuteilwurde, den Preußen die österreichische Befindlichkeit zwischen Julikrise und Mobilmachung zu erläutern, hat sicher auch mit seiner Berliner Vorgeschichte zu tun, denn Salten war 1905 für kurze Zeit als Chefredakteur der Ullsteiner Berliner Zeitung und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.