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Kriegstaumel und Pazifismus

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg

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Edited By Hans Richard Brittnacher and Irmela von der Lühe

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde von der überwiegenden Zahl der deutschen Intellektuellen und Schriftsteller emphatisch begrüßt – auch von den deutschen Juden, die im Kampf fürs Vaterland eine Möglichkeit sahen, ihren Patriotismus und ihre gelungene Assimilation unter Beweis zu stellen. Diese Ansicht hat lange die Forschung dominiert. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge überprüfen aus interdisziplinärer Sicht diese These und gelangen bei der Lektüre und Analyse von Schriften, Briefen, Dichtungen und Dokumenten tonangebender jüdischer Intellektueller zu einem komplexeren Befund, der zwischen Kriegsbegeisterung und -skepsis, Duldung und Protest oszilliert.
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Joanna Jabłkowska (Łódź) - Sprachsatire, Pazifismus und Ohnmacht. Karl Kraus’ und der Erste Weltkrieg

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Joanna Jabłkowska (Łódź)

Sprachsatire, Pazifismus und Ohnmacht. Karl Kraus’ und der Erste Weltkrieg

Am 29. Juli 2014 fand die Uraufführung der Letzten Tage der Menschheit im Rahmen der Salzburger Festspiele statt. Kein anderes Werk der Weltliteratur wäre besser geeignet, des Ersten Weltkrieges zu gedenken. Allerdings kann man vermuten, dass die Präsenz des Dramas auf den Theaterfestspielen Karl Kraus’ Intention nicht entsprach; selbst wagte er es nicht, sein Stück auf die Bühne zu bringen, nicht einmal Max Reinhardt ist es gelungen, Kraus’ Einwilligung in eine Aufführung zu bekommen.1 Nur der Epilog wurde zweimal gespielt und bekanntlich las Kraus während seiner Vorlesungen Szenen aus der Tragödie.2 In seiner Vorlesung In dieser großen Zeit, der ersten, die er nach dem Ausbruch des Krieges, am 19. November 1914 hielt, formulierte er eine Sentenz, die bis heute als geflügeltes Wort zitiert wird: „Die jetzt nichts zu sagen haben, weil die Tat das Wort hat, sprechen weiter. Wer etwas zu sagen hat, trete vor und schweige!“3 Doch er selbst schwieg nicht und es ist zu fragen, ob sein Werk und seine Tätigkeit dem absoluten Anspruch, den er an die Sprache legte, genügten.

Kraus war nicht der erste deutschsprachige Autor, der die politische Wirklichkeit als Produkt der Sprache deutete; nicht umgekehrt, die Sprache als Abbild der Wirklichkeit. Bereits Georg Büchner legte in den Mund seines Mercier in Dantons Tod eine wichtige Erkenntnis, die...

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